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Erstes Fazit Ende 2009

Präsentation auf der Bildungsmesse "Wir sind Hamm" vom 11.11.2009 - 13.11.2009
Präsentation auf der Bildungsmesse "Wir sind Hamm" vom 11.11.2009 - 13.11.2009

Das Kommunale JobCenter Hamm AöR gehört zum kommunalen Netzwerk handelnder Akteure im Themenbereich Bildung, Ausbildung und Beschäftigung. Im Rahmen des Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz IV) übernimmt es die Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) und ist darüber hinaus mit der Umsetzung der kommunalen Ausbildungsförderung und der Jugendberufshilfe beauftragt. In Bezug auf die Umsetzung von Stärken vor Ort ist es anteilig in die lokale Koordinierung eingebunden, stellt einen Teil der Kofinanzierung, ist an der Antragsstellung und seiner Ausrichtung für die gesamte Förderperiode beteiligt, übernimmt die fachliche Beratung von Mikroprojekträgern und unterstützt notwendige Vernetzungsprozesse. Durch die Zusammenarbeit aller im Begleitausschuss vertretenen Ämter werden Projektanträge sehr vielschichtig diskutiert, Antragsteller fachlich fundiert beraten und gemeinsam neue Ideen entwickelt. Auch die Weiterentwicklung des Gesamtprojektes wird durch die Ämter gemeinsam gestaltet. Dieses erfolgt u.a. auf der Grundlage, der durch Projektpatenschaften und -besuche gewonnenen Erkenntnisse. Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die ämterübergreifende kollegiale Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Bestreben intensiviert hat, das Fördergebiet, die dort lebenden Menschen und tätigen Institutionen durch innovative und an den Bedarfen der Menschen angepasste Mikroprojekte zu erreichen und zu fördern.

 

Aufgrund der späteren Projektbewilligung und der zeitlichen Ausrichtung der Projekte in den jeweiligen Schuljahren 2009/2010 (Projektende 31.12.2009) konnten erst im August des Jahres 2009 erste Mikroprojektanträge bewilligt werden. Nach einer derzeitigen Einschätzung sind keine Veränderungen hinsichtlich der im Erstantrag beschriebenen Problemlagen erkennbar. Die Umsetzung der Mikroprojekte ist noch nicht abgeschlossen, so dass eine auf Evaluationsdaten basierende Aussage zu diesem Zeitpunkt nicht getroffen werden kann. Die bereits beschriebenen Problemlagen haben sich weitestgehend bestätigt und werden deutlicher wahrgenommen. Die Situation der Bevölkerung im Zielgebiet des Projektes wird durch die Auswirkungen des Abbaus von Arbeitsplätzen und des Zuwachs an Bevölkerung mit Migrationshintergrund bestimmt. Dieses wirkt sich auf die Adressat/innen des Projektes aus. Zu ihnen gehören u.a.. Jugendliche der im Zielgebiet liegenden 5 Schulen der Schulformen Haupt-, Förder-und Gesamtschule. Die im vordergründigen Fokus liegenden PlanB-Schulen weisen einen hohen Anteil an SchülerInnen mit Migrationshintergrund (Albert-Schweizer-Schule 28,2%, Hardenbergschule 28,4% Karlschule 47%) auf. Die hier vorherrschende Bildungssituation ist prekär. Die signifikanten Schwellen-Indikatoren (Problematiken an den Übergängen Grundschule-Sek I sowie Schule-Beruf, Merkmale junger ALG2-Bezieher/innen) sprechen eine deutlich negative Sprache. Ein hoher Anteil der Schüler/innen ist von der Problematik der schlechteren Schulabschlüsse im Zusammenhang mit noch schlechteren Chancen von Migrant/innen auf dem Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Rest der jugendlichen Bevölkerung deutlich betroffen. Die erkennbare Bildungsferne und soziale Armut machen sich im Verhalten der Jugendlichen deutlich. Ihre unzureichende Förderung schlägt sich in Konzentrationsmangel, geringen sozialen Kompetenzen, körperlichen Erscheinungen, Unsicherheiten, Motivationsmangel und fehlendem Durchhaltevermögen nieder.

 

Die nähere Beschäftigung mit der Zielgruppe der Jugendlichen im Übergang während des ersten Förderjahres bestätigte erneut die Vermutung, dass beide Geschlechter eine Förderung benötigen, diese aber unterschiedliche Schwerpunkte haben kann. Jungen sind häufiger an den „geringqualifizierenden“ Schulen vertreten. Bei der Erreichung guter Abschlüsse werden sie von Mädchen überholt. Der Zwiespalt zwischen den veränderten Rollenbildern und den teils kulturgeprägten Erwartungen der Eltern führt bei Jungen zur Verhaltensunsicherheit, die sich tendenziell in Respektlosigkeit aber auch im persönlichen Rückzug widerspiegelt. Bei der Berufswahl tendieren beide zu klassischen Berufsbildern und übersehen damit ihre Chancen in den geschlechterunterrepräsentierten Branchen. Die Mikroprojekte berücksichtigen diese Probleme und geben Raum, die eigenen Rollenbilder und das Verhalten zu hinterfragen. Verstärkt wahrgenommen werden auch die familiären Defizite im Hinblick auf eine optimale häusliche Begleitung des Bildungsprozesses. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Problemlage ist somit weiterhin ein Bedarf an Fördermaßnahmen in folgenden Bereichen zu vermuten: Stärkung der Teamfähigkeit und Sozialkompetenz, Förderung von Konzentration und Eigenverantwortung, Aufbau berufsrelevanter Fertigkeiten und der Kreativität, verhaltensorientierte Vorbereitung auf die Bewerbungsphase, Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung, Auseinandersetzung mit den Themen Gesundheit, Sucht, Geld und Familienplanung, Reflektionsmöglichkeiten bzgl. des eigenen, kulturgeprägten Rollenverständnisses und des eigenen Verhaltens, gender-orientierte Angebote der schulischen und außerschulischen Förderung, Unterstützung personen- und organisationsbezogener Zielgruppen zur Umsetzung und Optimierung adäquater Förderangebote für Jugendliche.

 

Es kann festgestellt werden, dass die Einbindung neuer zivilgesellschaftlicher Akteure innerhalb des erstes Förderjahres zufriedenstellend gelungen ist. Unter den Mitwirkenden (Mikroprojektträger, Begleitausschussmitglieder und Projektpaten) ist ein kooperatives Arbeitsklima entstanden, in dem weitere dem Förderziel entsprechende Vernetzungsstrukturen wachsen können. Hilfreich zeigt sich dabei u.a. die Beteiligung von Migrantenorganisationen, Bürgern aus dem Stadtteil, Schulvertreterinnen und -vertretern und Schülerinnen und Schülern in der Funktion als Mitglied des Begleitausschusses, als Projektpate und zum Teil Mitgestalter des jeweilige Projektes.

 

Das Programm ist besonders geeignet, neue Partner mit dem stadtteilorientierten Netzwerk, dessen Arbeitsweisen und Möglichkeiten bekannt zu machen. Durch den Einbezug, beispielsweise von Migrantenorganisationen (Moscheeverein etc.) in den Begleitausschuss, bekommen die Akteur/innen/Organisationen die Möglichkeit, verantwortlich mitzuentscheiden und dabei auch für sie wichtige Kontakte zu knüpfen. Neue Träger/Kooperationpartner/innen von Mikroprojekten erhalten auf diese Weise erstmalig einen praxisbezogenen Einblick; durch ihr Einwirken und Mitwirken verändern sich in der Folge bestehende Strukturen. Dies ist ein weiterer Gewinn, denn es verhindert ein statisches Verharren. Der Zugang über das Ziel der Verbesserung von Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen ist bei allen bisher aufgetretenen Akteur/innen gelungen, unabhängig von soziokulturellen Hintergründen.

 

Alle beteiligten Begleitausschussmitglieder und durchführende Mikroprojektpartner berichteten bisher über einen produktiven Austausch und merken an, auf diese Weise ein viel besseres und vollständigeres Bild über die Probleme aber auch Ressourcen der einzelnen Zielgruppen im Fördergebiet zu erhalten. Dieser Informationszuwachs konnte durch die Projektbesuche und Patenschaften verstärkt werden.