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Nordener Spätlese - Seniorentheater

Projektidee Theater im Stadtteil
Seniorentheater "Nordener Spätlese"

Theater spielen bietet eine hervorragende Möglichkeit, die eigene Person für sich und im Zusammenspiel mit anderen neu zu erleben. Die Spieler/innen erleben, dass sie auch in ihrem Alter durchaus noch in der Lage sind, sich selbst zu verändern, nicht gelebte Seiten an sich zu entdecken und auch öffentlich zu zeigen. So werden nicht nur die persönlichen Darstellungsmöglichkeiten verbessert, sondern die Spielerinnen und Spieler können sich, ihre Fähigkeiten und ihre Lebenserfahrung sinnvoll in das Leben im Stadtteil einbringen.

Die „Nordener Spätlese“ wurde von zwei Theaterpädagoginnen des Bildungswerks für Theater und Kultur (BTK) geleitet,  die den Spielerinnen und Spielern Hilfestellung boten, mit viel Spaß ihre persönlichen Darstellungsmöglichkeiten zu verbessern, ihre Lebenssituation zu reflektieren und in Szene zu setzen.

Die „Nordener Spätlese“,  die aus einer Initiative der Seniorenarbeit entstanden ist, ist bereits ein fester Bestandteil des Stadtteils. Sie beteiligte sich mit Aufführungen von selbst erarbeiteten Stücken an Stadtteilfesten, an verschiedenen anderen Veranstaltungen im Hammer Norden, bei Gemeindefesten und präsentierte sich auch in eigenen Veranstaltungen. Sie hat ihre Aktivitäten seit der Gründung der Gruppe erheblich ausgeweitet und hat mittlerweile einen festen Stamm von 12 Spielerinnen und Spielern, wobei auch jüngere Teilnehmer/innen dazu gekommen sind.

Art/Umfang/Dauer und Durchführung/Organisation der Maßnahme:

Die Theatergruppe traf sich jeweils für 2 Unterrichtsstunden (1 ½ Zeitstunden) in den Räumen  des  Pfarrheims  Maria  Königin,  im  Schnitt  wöchentlich,  wobei  vor den  Aufführungsterminen  zum Teil zusätzliche Proben   stattfanden. Für  den Zeitraum  von   September 2008  bis Ende 2009  sind  75  Treffen geplant.

Die Spielleiterinnen sind  Diplom-Pädagoginnen und Theaterpädagoginnen, leiten  die  „Nordener Spätlese“ und haben darüber hinaus mehrjährige Erfahrung in der Theaterarbeit mit Gruppen. Über den Einsatz eines Fragebogens überprüftedas BTK die Zufriedenheit der Mitspielenden und setzt nach Möglichkeit die Wünsche und Anregungen der Teilnehmenden um.

Durchführung des Projektes

Das Projekt „ Theater im Stadtteil – Seniorentheater „Nordener Spätlese“ wurde von September 2008 bis Dezember 2009 wie geplant durchgeführt. Das Theaterprojekt wurde mit einer Gruppe von 8 Frauen und 3 Männern durchgeführt. Alle TeilnehmerInnen stehen in ihrer zweiten Lebendhälfte, sind aber agil und mit kleinen Einschränkungen fit und beweglich. Trotz zeitweiliger krankeitsbedingter Ausfälle ist die Gruppe stabil geblieben.

Die Leitung in den Gruppen übernahmen von Beginn an Birgit Schwennecker (Theaterpädagogin) und Irmgard Schlierkamp (Theaterpädagogin und Mitarbeiterin des BTK), die beide langjährig Erfahrung in der Theaterarbeit haben. Diese Regelung ermöglichte eine kontinuierliche Arbeit mit der Gruppe, was gerade in dieser Altersgruppe eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches und motiviertes Zusammenspiel ist.

Während der ganzen Zeit waren die TeilnehmerInnen mit Freude bei der Sache, sowohl bei der ersten Phase der Ideenfindung als auch beim Fertigstellen und Schreiben des Stücks, bei den intensiven und oftmals auch anstrengenden Proben und letztendlich bei den verschiedenen Aufführungsterminen ( 2 Termine im Hammer Norden: Stadtteilfest in der Karlschule im April und Auftritt im Altenheim Westberger Weg im September und 4 weitere Auftritte in anderen Stadtteilen, die aber nicht in die Projektabrechnung eingeflossen sind), die im Laufe der letzten Monate anstanden.

Wie gerade schon beschrieben haben die Senioren und Seniorinnen ihr Stück selbst entwickelt und geschrieben, immer natürlich unter Anleitung und mit Anregungen der Theaterpädagogin, die auch das Skript fertig gestellt hat. Das Thema des Stücks aber war das Thema der Gruppe, so dass die eigenen Erfahrungen der Spielerinnen und Spieler, ihre eigene Geschichte und ihr Humor in ihr Theaterstück einfließen konnten. Die einzelnen Mitglieder der Gruppe verfügten zu Beginn des Projekts über unterschiedliche Vorerfahrungen im Bereich der Theaterarbeit und natürlich über unterschiedliche Möglichkeiten, sich darzustellen und sich auszudrücken.

Umso beeindruckender ist es zu sehen, wie stark sich die einzelnen SpielerInnen entwickelt haben, wie sie ihre Darstellungsmöglichkeiten verbessert haben und ganz besonders, mit wie viel Spaß alle auf die Bühne gehen, um sich dem Publikum zu präsentieren. Da die Texte ihre eigenen sind, fehlt die Angst, Text zu vergessen, es kommt nicht auf die wortwörtliche Wiedergabe an, sondern auf das Zusammenspiel; so können die SpielerInnen improvisieren und befreit auf der Bühne aufspielen. Der begeisterte Applaus des Publikums lässt sie über sich selbst hinaus wachsen.

Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Theaterprojekts steht fest, dass sie weiter machen wollen. Das Spielen aber auch der Zusammenhalt in der Gruppe sind wichtige Bestandteile ihres Lebens geworden. Das hat sich auch da gezeigt, wo Mitglieder der Gruppe mit einer Krankheitsdiagnose fertig werden mussten. Der Wille, bald wieder auf die Beine zu kommen, weil sie gebraucht wurden, aber auch der Zuspruch durch die Gruppe trug sicher wesentlich zur Gesundung bei.

Persönliche Bewertung der Teilnehmer

Vor dem Auftritt etwas nervös, wenn ich dann vor den Leuten stehe ist alles ok. Freude, wenn der Auftritt gut ankommt, die Menschen Applaus geben und uns sagen, ihr seid gut, wir hoffen, dass ihr wieder kommt. 

Die Aufführung hat mir sehr viel Spaß gemacht. Rosen im Herbst war das beste Stück. Das Publikum hat es uns mit Applaus gedankt. Hoffentlich können wir noch länger so weiter machen. Die Gruppe steigert sich von Auftritt zu Auftritt. Vor den Premieren ist man unsicher, wie das Stück vor dem Publikum ankommt, wie die Zuschauer reagieren. Wenn die Lacher und der Applaus dann an der richtigen Stelle kommen weiß man, dass man alles richtig gemacht hat und man den Nerv des Publikums getroffen hat. 

Premiere September 2007 „Rosen im Herbst“ als Vorprogramm von Lioba Albus. Das unser Stück so gut auch von Lioba ankommen würde und gleichzeitig in ihrem Programm mit aufgenommen wurde. Von den Senioren wurden unsere Stücke sehr gut aufgenommen. Improvisation ist bei unserem Stück auch gefragt. Alle Stücke werden von uns gemeinsam entwickelt und durch unsere Leiterin in ein Drehbuch umgewandelt. 

Die freundlichen Zuschauer im Publikum der verschiedenen Aufführungen. Die sehr gute Betreuung durch Birgit Schwennecker. 
Theaterstück: Rosen im Herbst, vor dem Auftritt, Herzklopfen, Lampenfieber, aber je länger gespielt wurde desto ruhiger wurde ich. Wir steigern uns bei jedem Stück mehr. 

Meine Erinnerungen sind sehr unterschiedlich. Aber sehr positiv und ich möchte diese Erfahrung nicht missen. Am Anfang ist bei den Proben viel Improvisation und Kreativität gefordert, die im normalen Alltag nicht mehr so gefragt ist. (Rentnerleben). Bei dem Auftritt, wenn das erste Lampenfieber verflogen ist, ist es schön ins Publikum zu schauen und die Reaktion zu sehen und zu hören.

Das Danke von einzelnen Personen nach der Vorstellung und auch der Applaus ist eine enorme Motivation für mich. Ich hoffe, dass diese Runde so noch lange besteht und wir weiter mit so einer guten Kraft (Leiterin) proben können. 

Der Anfang war nicht sehr leicht, ich habe sehr  großes Lampenfieber. Das ist jetzt vor dem Auftritt immer noch so, aber nach dem ersten Satz ist alles in Ordnung. Die Gruppe hat mich aufgenommen und unterstützt. 

In besonders guter Erinnerung habe ich die Premiere von “Rosen im Herbst“ (Sept 2007), bei dem wir ein super Publikum hatten, sehr applausfreudig. Wir waren sozusagen die Vorgruppe der Kabarettistin Lioba Albus – eine Ehre für uns.

Evaluation

Im Rahmen des Projektes wurde zum Abschluss eine Teilnehmerbefragung durchgeführt.

Die Teilnehmer an dem Projekt rekrutierten sich zu überwiegend aus der persönlichen Ansprache und kommen aus dem Hammer Norden. Ein Teil (75%)verfügt über Erfahrungen in der Theaterarbeit aus der Vergangenheit

Alle Teilnehmer sahen ihre Erwartungen an und aus dem Projekt erfüllt. Die theaterpädagogische Betreuung beurteilten alle Teilnehmer mit sehr gut. Der Wunsch, an weiteren Projekten teilzunehmen, wurde von allen bejaht.

Besondere Bedeutung wurde dem Zusammenhalt der Gruppe, der freien Arbeitsweise und Improvisationmöglickeit beigemessen.

Als persönlich erreichte positve Erfahrungen wurden genannt:

  • Freude und Spaß
  • Selbstbestätigung
  • freie Rede vor einer größeren Personzahl
  • Förderung der Kreativität
  • stärke Einblicke in die Seniorenarbeit
  • Menschen offenener gegenüber treten
  • Teamgeist

Hinsichtlich der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wurde die Integration in den Stadtteil und die Stadtteilarbeit genannt, als Beitrag für das Miteinander zwischen den Generationen.

Als Anregung wurde der Wunsch zur Weiterführung, die fianzielle Absicherung und theaterpädagogische Betreuung von allen Teilnehmern genannt.

Veröffentlichungen in den Medien:

Westf. Anzeiger 09.09.2008
Westf. Anzeiger 04.09.2009

Nordener Spätlese 2009