Logo HAMM-NORDEN

Projektantrag Kulturelle Begegnungsstätte Danziger Straße 30

In den Mietwohnungen und Einfamilienhäusern der Hammer Gemeinnützige Baugesellschaft mbH (HGB) im Hammer Norden leben insgesamt 175 ausländische Familien.
Insbesondere die türkischen Mieterinnen im Hammer Norden äußerten vielfach den Wunsch nach der Einrichtung eines Deutschkurs, Kochkurses und anderen Kursen in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnungen. 
Im Gegenzug  erklärten sie sich bereit, sich in Eigeninitiative kulturell im Quartier zu engagieren, als Multiplikatorinnen in ihren Familien darauf hin zu wirken, dass die Kinder keine weiteren Vandalismusschäden anrichten und sich auch um Sauberkeit und Ordnung in rund um das Begegnungszentrum selbst zu kümmern.
Der Deutschkurs sollte die Frauen zunächst befähigen, selbständiger zu werden, Einkäufe bei deutschen Einzelhändlern besser zu bewerkstelligen  und Behördengänge eigenständiger zu meistern, Chancen zur Begegnung und Mitwirkung im Wohnquartier zu verbessern.
Ferner sollte die türkische Kochkultur mit der deutschen Kochkultur verbunden werden und im Rahmen eines Deutsch-Kochkurses diese Kochkultur vermittelt werden. 
Im Rahmen des Kochkurses sollten sie zudem Ansätze zu Haushaltsplanung, Organisation und Einkauf lernen.
Ein weiterer Aspekt des Projektes sollte es sein, die Motivation und Gemeinsamkeit der Migrantinnen zu stärken, sie zu aktivieren und als Multiplikatorinnen in den Familien für bessere Integrationschancen zu sorgen, die Bildungschancen, Selbstkompetenzen und Eigenverantwortlichkeit der Frauen zu stärken und die Wohnzufriedenheit zu fördern.

Ziele

Der Projektträger beschreibt die zu erreichen Ziele wie folgt:

  • Interkulturelles Empowerment durch zielgruppenspezifische Quartiersarbeit
  • Kulturelles Engagement der Migrantinnen im Quartier
  • Verbesserung der Bildungschancen der Migrantinnen
  • Verbesserung der beruflichen Integration von Migrantinnen
  • Migrantinnen als Multiplikatorinnen in der Familie stärken (diese vermitteln Sprachkenntnisse an deren Kinder und Ehemänner weiter, was auch für die gesamte Familie verbesserte Bildungschancen bedeutet)
  • Stärkung des Selbsbewusstseins
  • Stärkung der Sozialkompetenz
  • Stärkung der Selbsthilfekräfte
  • Stärkung der Wohnzufriedenheit (die Frauen fühlen sich mit ihrem Anliegen, ein solches Projekt einzurichten, ernst genommen und tragen zum Ausgleich mit eigenen Ideen und Aktivitäten zur Aufwertung ihres Wohnumfeldes bei)
  • Förderung der Eigenverantwortung
  • Stärkung des Durchhaltevermögens (Teilnahme an den Kursen bis zum Schluss).
  • Einbettung des Projektes in die Stadtteilarbeit
  • Weiterentwicklung des Projektes: Kochkurse, Nähkurse interkulturell für Mieterinnen aller Nationen
  • Interkulturelle Veranstaltungen (Tanz, Musik, Traditionsfeste), initiiert durch die Mieterinnen und Mieter im Quartier

Projektverlauf

Alle geplanten Maßnahmen wurden während der Projektdauer erfolgreich durchgeführt. Es bedurfte einer gewissen Vorlaufzeit, da die türkischen Frauen zunächst motiviert werden mussten, regelmäßig zu den Kursstunden zu erscheinen (Kontinuität und Durchhaltevermögen). Außerdem wurden während des Deutsch-Kochkurses noch weitere Frauen aufgenommen, die durch Mundpropaganda der Kursteilnehmerinnen plötzlich auch großes Interesse an diesem Projekt zeigten.

Während und nach dieser Vorlaufzeit besuchten die Teilnehmerinnen die Kurse mit großer Begeisterung. Das Selbstwertgefühl und die Sozialkompetenz der Migrantinnen ist deutlich gestiegen.

Es zeichnet sich ab, dass die Teilnehmerzahl sich ständig vergrößert, die Nachfrage nach dem Kursangebot steigt noch immer an. Die Frauen organisieren mittlerweile mit Hilfe der Kursleiterin Ausflüge, auf denen ebenfalls in Deutsch unterrichtet wird, treffen sich regelmäßig zum Frauenfrühstück und planen noch weitere Aktivitäten. Das Projekt entwickelt sich nunmehr zum ,,Selbstläufer“, was nicht zuletzt dem vehementen ehrenamtlichen Engagement der Kursleiterin zu verdanken ist (Nachhaltigkeit der Maßnahme). Die Frauen haben beschlossen, auch deutsche Mieterinnen einzuladen, mit ihnen zusammen zu kochen, sobald sie ihre Deutschkenntnisse ausgebaut haben. Ebenfalls sind kulturelle Feste geplant.  Es wurde ebenfalls sogar schon erreicht, dass einzelne Alphabetisierungskurse, die sich an den Deutsch-Kochkurs angeschlossen haben, vom Job Center Hamm anerkannt, wenn auch leider nicht finanziell unterstützt werden.

Demnächst sollen auch marokkanische und deutsch-russische Migrantinnen einbezogen werden. Die berufliche Integration der Migrantinnen soll durch Vorträge und weitere Kursangebote gestärkt werden. Die Kursleiterin entwickelt bereits dahingehend entsprechende Ideen (Interkulturelles Empowerment).

Es ist auch anzumerken, dass durch die regelmäßigen Treffen der Migrantinnen eine gewisse Ruhe in das Quartier, welches von Gewaltansätzen und Vandalismus der jugendlichen Migranten geprägt ist, eingekehrt ist, was auch der Jugendhilfe im Hammer Norden aufgefallen ist. Insgesamt kommen momentan kaum noch Beschwerden aus der Mieterschaft im Hammer Norden bezüglich randalierender Jugendlicher und die Vandalismusschäden sind deutlich zurück gegangen. Allgemein ist die Wohnzufriedenheit im Quartier gestiegen, niemand möchte mehr aus der Danziger Straße wegziehen, es stehen momentan nur 2 Wohnungen leer, während des Projektverlaufes zogen Familien zur Danziger Straße, die von dem Projekt gehört hatten.

Die Kursleiterin entwickelt zur Zeit ein Konzept, den Jugendlichen in dem kulturellen Begegnungstreff Angebote zur Beschäftigung zu vermitteln und hat diesbezüglich schon mit ihnen gesprochen. Auch sollen Referenten eingeladen werden, um mit den jugendlichen Migranten Berufsperspektiven zu entwickeln.

Fazit

Das Projekt hat einen ausgeprägten Erfolg und kann sich dahingehend weiter entwickeln, dass es entscheidend zur interkulturellen Integration der Migrantinnen und deren Familien beiträgt. Der weitere Verlauf wird so sein, dass regelmäßig Beratungen wie Schuldnerberatung, berufliche Beratung für Migrantinnen und Abiturientenberatung für jugendliche Migranten statt finden.

Hamm, den 08.12.2009                                                          Cornelia Querfurth
Hammer Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH

Abschlussbefragung der Teilnehmer

Nach Abschluss des Projektes wurde eine Teilnehmerbefragung durchgeführt.

Alle Beteiligten (n:27) burteilten das Projekt für ihr familiäres Umfeld positiv. Der Umgang in der Gruppe und im nachbarschaftlichen Umfeld hat sich gut entwickelt.
Die Befragten gaben an, dass sich ihr Selbstbewußtsein gestärkt hat und Hemmschwellen im Umgang mit Ämtern und Behörden abgebaut wurden. In den Haushalten der Befragten befinden sich mehr als zwei Kinder. Hier wurde von allen der Wunsch zu intensiver Hausaufgabenbetreuung und Angeboten für Kinder und Jugendlichen geäußert.