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Kinder machen Zirkus

Die Turnhalle in der Sorauer Str. platzte am 18. September 2009 aus allen Nähten als die drei katholischen Kindergärten der Kirchengemeinde Clemens August Graf von Galen zu einem Zirkusnachmittag  „Kinder machen Zirkus
einluden.

Im Rahmen des Projektes Brücken bauen wurde diese Maßnahme als Modellvorhaben für das Familienzentrum Hamm-Norden gesehen, um bei Kindern die Kreativität und Phantasie zu fördern, ihr Selbstbewusstsein durch aktive Mitgestaltung, Ausprobieren und durch Präsentation zu stärken.

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Im August fand eine Trainingsphase für die Erzieher der Kindertagesstätten statt, um den Kindern fachgerechte Anleitung während des Projektes geben zu können. Anschließend wurde eine Vorbereitungswoche für 60 Kinder der Einrichtungen im Gemeindehaus der Herz Jesu Gemeinde durchgeführt. Ängste und Sorgen der kleinen Zirkuskinder konnten schnell ausgeräumt werden und so wurden aus den Kindergartenkindern schnell kleine Fakire, Jongleure, Clowns, Akrobaten und Seiltänzer.Kostümiert traten die Kinder selbstbewusst und frei vor dem Publikum auf und entlockten den Besuchern manches Staunen. Die Begeisterung der kleinen Künstler übertrug sich auf die Zuschauer, die dies mit viel Applaus unterstrichen.Der Nachmittag verging im Fluge. 

Projektidee:

Die drei Kindertageseinrichtungen der Kirchengemeinde erarbeiten gemeinsam ein Konzept zur Förderung benachteiligter Kinder in den Bereichen Kreativität, Phantasie, Selbstbewusstsein und motorische Fähigkeiten.

  • Die Umsetzung soll über ein Zirkusprojekt erfolgen. Die drei Einrichtungen wählen je ca. 20 Kinder aus ihren Einrichtungen aus, die an dem Projekt teilnehmen sollen. Die Auswahlkriterien werden später festgelegt.
  • Die Projektbegleitung wird beim Zirkus Pomitz angefragt.
    Die beteiligten Erzieherinnen werden im Projektverlauf geschult.
  • Die Eltern der Kinder erhalten im Projektverlauf  Informationen über die Art der Förderung ihres Kindes.
  • Das Projekt wurde im Rahmen . Hierzu werden besonders die Eltern der beteiligten Kinder eingeladen.
  • Nach Projektende wird angestrebt, die Ideen aus dem Zirkusprojekt zur motorischen Förderung im allgemeinen Kindergartensport und im weiteren Gruppenalltag zu integrieren.
  • Das für das Projekt angeschaffte Material steht den Einrichtungen weiterhin zur Verfügung.

Ziele:

  • Kreativitätsförderung der Kinder
  • Stärkung des Selbstbewusstseins durch aktive Mitgestaltung der Kinder und durch die Präsentation
  • Motorische Förderung (Ausgleich von Defiziten)
  • Phantasie der Kinder anregen
  • Motivation zur Bewegung und zum Ausprobieren

Bewertung durch den Projektträger

Thema: Kinder machen Zirkus

Die Zielsetzung des Projektes wurde im Laufe der Zirkusvorstellung sehr deutlich. Die Kinder kamen mit einem gestärkten Selbstbewusstsein zu Ihrer Aufführung. Selbst sehr schüchterne Kinder haben nicht den Auftritt verweigert.

Die Aufführung war sehr gut besucht und in den Gesichtern der Zuschauer, spiegelte sich der Stolz und das Erstaunen (dass hat mein Kind gelernt) wieder. Es war gut, das Projekt in verschiedenen Abschnitten aufzuteilen. Zuerst wurden die beteiligten Erzieherinnen von den Akteuren des Zirkus geschult. Schon hier war es deutlich, die Zusammenarbeit ist sehr wichtig. Das akzeptieren von Grenzen und das Bewusstsein, ich kann auch „Nein“ sagen, ist den Betroffenen Erzieherinnen sehr deutlich geworden.

In der zweiten Phase des Projektes haben sich die Kinder mit den verschiedensten Aufgaben des Zirkus vertraut gemacht. Der erste Tag begann mit einer kleinen Zaubervorstellung für die Kinder. Der Bann war schnell gebrochen. Die Kinder fanden Vertrauen zu den Akteuren des Zirkus und konnten sich gut in den gezeigten Nummern einfinden.

Es wurden folgende Darbietungen gezeigt und erklärt: Jonglage, Bodenakrobatik, Seiltänzer,  Kugelläufer, Fakire, Feuerfakire und Clowns. Die Kinder konnten sich dann selber für eine Aktion melden. Ob sie auch wirklich dahinein passen, wurde von den Akteuren noch einmal überprüft. Wir konnten aber feststellen, dass die Kinder wirklich gut für sich entschieden haben. Erstaunlich war, dass die unruhigen Kinder nicht wie erwartet sehr aktive Darbietungen gewählt haben sondern als Fakire, mit sehr viel Disziplin, die Übungen gewählt haben.

Jetzt wurde die Truppe für das Wochentraining zeitlich eingeteilt. Die Kinder entwickelten beim Training sehr viel Selbstvertrauen und wurden immer sicherer. Die Trainer hatten sehr gutes Einfüllungsvermögen und haben sich der Kindergruppe angepasst. Die Professionalität gab unseren Kindern, die aus einem sehr schwierigen Umfeld kommen, einen individuellen Halt und Geborgenheit.

Die Kinder erfuhren auch, dass Zirkus eine disziplinreiche Arbeit ist. Sie wissen, dass sie sich ganz genau an Absprachen halten müssen, denn sonst kann bei der Ausübung etwas passieren.

Die Kinder fanden Zutrauen zu ihren eigenen Fähigkeiten. Der Kontakt untereinander wurde rücksichtsvoller. Es drängelte sich niemand ständig vor, und unruhige Kinder akzeptierten Wartezeiten. So gestärkt konnte der große Tag kommen. Die Resonanz von den Familien war sehr groß. Die Kinder brachten die Zirkusvorstellung vor einem großen Publikum dar.

Noch wochenlang war „Zirkus“ das Thema unter den Kindern und den Eltern. Das Erstaunen der Eltern, dass hat mein Kind gelernt und kann es auch, war sehr groß.

Die Nachhaltigkeit in der Einrichtung ist durch dass Anschaffen von verschiedenen Materialien gegeben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder noch lange nach der Vorstellung immer wieder vom Zirkus erzählen und auch den anderen Kindern der Einrichtung zeigen, wie einzelne Übungen gelernt werden (z.B. Jonglage).

Zum Abschluss können wir nun feststellen, dass gerade Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern mit einem Migrationshintergrund durch ein Zirkusprojekt profitieren. Es werden die eigene Motivation, das Selbstwertgefühl und die Körperwahrnehmung gestärkt. Als positiver Nebeneffekt wurden soziale Kontakte im Stadtteil geknüpft.

Wir freuen uns schon auf dem nächsten Fest unser „Können“ erneut zu zeigen. Wir danken dem „Projekt Brücken bauen“, dass es uns ermöglicht hat, diese wertvolle Erfahrung zu machen.
Kornelia Wiedei,
Leiterin Kindertagesstätte Maria Königin

Beobachtungsbericht zum Zirkusprojekt als pdf