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Kurzkonzept: Sozialkompetenz – Training in Grundschulklassen

 

Sozialraumorientierte Ansätze in der Kooperation Schule-Jugendhilfe

 

Spätestens seit dem in Krafttreten des Kinder- und Jugendförderungsgesetz NRW (3.AGKJHGNW) (01.01.2005), welches, die bereits im KJHG (§81,SGB VIII) erwähnte Kooperation der Bereiche der Jugendhilfe mit u.a. dem Bereich Schule, mit dem Begriff der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung konkretisiert, ist es nunmehr die Aufgabe von Jugendhilfe und Schule gleichberechtigte Kooperationsformen zu generieren, welche die Erfüllung der Aufgaben der Jugendhilfe zielgerichtet umzusetzen suchen.

Bricht man die Gesetzesanforderung von der institutionellen Ebene auf die Ebene der Professionen herunter, so handelt es sich um die Entwicklung von Kooperationsformen in Planung und Umsetzung zwischen Lehrern im Bereich Schule und Sozialarbeitern, Erziehern und anderen pädagogischen Fachkräften auf Seiten der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe.

Eine konsequente, strukturelle Umsetzungsmöglichkeit bietet die stadtteilbezogene, also sozialraumorientierte Gestaltung der Jugendhilfeangebote, im Zusammenhang mit den jeweiligen Schulen des definierten Sozialraumes (Stadtteils).

 

 

Grundannahmen:

 

Systemische Sicht auf die Klasse: Grenzüberschreitendes Verhalten als Produkt der gesamten Klassengemeinschaft

 

Manifestieren sich Störungen im sozialen Miteinander des Klassenverbandes, wie soziale Ausgrenzungen, körperliche und/oder verbale Gewalt und andere massive Grenzüberschreitungen, so ist dies häufig nicht nur den grenzüberschreitenden/aggressiv handelnden Kindern ursächlich zuzuschreiben. Vielmehr sind mehrere Akteure an der Entstehung der gestörten Situation beteiligt. Diese Akteure lassen sich vereinfacht in drei Gruppen[1] einteilen.

 

  1. Die aggressiv Gestaltenden (Täterdisposition)

Schüler dieser Akteursgruppe sind durch ihr grenzüberschreitendes Handeln, welches die Aufmerksamkeit der Mitschüler und Lehrer erregt, gekennzeichnet. (Nicht selten sind diese Schüler Meinungsführer mit großem Einfluss auf das Klassengeschehen.)

 

  1. Die passiv Duldenden (a)/bzw. aktiv Unterstützenden (b) (Zuschauerdisposition)/
    1. Schüler dieser Akteursgruppe sind eher still und unauffällig, sie dulden das grenzüberschreitende Verhalten der aggressiv Gestaltenden, selbst wenn ihnen dieses Verhalten missfällt.
    2. Schüler dieser Akteursgruppe führen aktiv keine körperliche Gewalt aus. Sie fordern andere zu Gewalt auf, ermutigen Täter zur Ausführung von Gewalt und „heizen“ die Stimmung an. Sie unterstützen/oder gestalten somit Situationen in denen aggressiv Gestaltende Rückendeckung empfinden und sich ermutigt fühlen Gewalt zu vollziehen.

 

  1. Die Duldenden(Opferdisposition)

Schüler dieser Akteursgruppe bieten in der Regel, durch ihre persönlichen Eigenschaften viel Angriffsfläche, welche von den aggressiv Gestaltenden als Schwäche erkannt und für Beleidigungen, Ausgrenzungen, körperliche Übergriffe und andere Verletzungen ausgenutzt wird.

 

 

Arbeit mit der gesamten Klassengemeinschaft

 

  • Betrachtet man die Klasse als soziales System, in dem das Verhalten des einzelnen Schülers, das der anderen beeinflusst und umgekehrt, so sind Maßnahmen, welche grenzüberschreitendes/aggressives Verhalten einzelner Schüler angehen nicht mit einzelnen Akteursgruppen isoliert voneinander durchzuführen, sondern im gesamten Klassenverband.
  • Eine Schuldzuweisung und eine damit möglicherweise einhergehende Stigmatisierung der vermeintlichen „Problemschüler“ ist somit ebenfalls entschärft. Nicht : „Wer ist Schuld an den Problemen“, sondern: „Was kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass es in unserer Klasse besser läuft“, ist dann die Ausgangsfrage
  • Darüber hinaus hat die Erfahrung der Praxis gezeigt, dass wenn auch qualitativ und quantitativ eher die Jungen in der Rolle der aggressiv Gestaltenden auffallen und auftreten, es durchaus auch Mädchen gibt, welche mit ähnlichen Verhaltensweisen in Erscheinung treten .Häufig in sehr geringer Anzahl , so dass Maßnahmen für Mädchengruppen in unserer Stadt de facto in der Vergangenheit seltener umgesetzt worden sind.
  • Die Mitglieder einer Klasse, welche ein ausgesprochen positives Sozialverhalten aufweisen, können aufgrund dieser Eigenschaft ermutigt werden auch Verantwortung und somit eine starke Rolle in der Klasse zu übernehmen. Gelingt dies erkennt die Klassengemeinschaft, dass es sinnvoller ist sozial kompetente anzuerkennen anstatt beispielsweise jenen mit den stärksten Ellenbogen oder dem rüpelhaftesten Verhalten nachzueifern.
  • Um die Nachhaltigkeit einer solchen Maßnahme möglichst gut zu gestalten, sollten Bezugspersonen, insbesondere Eltern (Lebensraum Familie) und Lehrer(Lebensraum Schule) und alle Schüler einer Klasse (Lebensraum Klassengemeinschaft/Peers) aktiv beteiligt sein.
  • Isoliere ich die grenzüberschreitenden Schüler vom Rest der Klasse, im Sinne der täterorientierten Methodik, verhindere ich die Konfrontation der Täter mit dem Druck der „positive Peer“. Ich konfrontiere die Täter mit ihren öffentlich begangenen Taten im stillen Kämmerlein und schütze sie somit indirekt vor der möglicherweise deutlich ablehnenden  Rückmeldung der Gruppe, welche häufig ihre Wirkung nicht verfehlt.

Strategische Ziele

 

  • Stärkung gewaltfreier Konfliktlösungsmuster und respektvollen Umgangs miteinander
  • Eltern und Lehrer sind mit den Methoden der Maßnahme vertraut und können diese auch über die Maßnahme hinaus bei Bedarf anwenden.
  • Die Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Eltern verbessert sich

Operationale Ziele

 

  • Konfrontation mit den Auswirkungen aggressiven/antisozialen Verhaltens
  • Stärkung der Akteursgruppen der tendenziell Leidenden und passiv Duldenden
  • Öffentlichkeit schaffen bei Grenzverletzungen, Vermeidung von gewaltaffinen Nischen
  • Differenziertere Selbstwahrnehmung der Schüler (Stärken und Schwächen)
  • Prosoziales Verhalten als Zugewinn für alle Beteiligten erkennen
  • Gewaltfreie Konfliktlösungen umsetzen
  • Beteiligung der Lehrer über die Teilnahme des/der Klassenlehrers/-lehrerin an den Sitzungen und durch Reflexionsgespräche zwischen umsetzenden Kursleitern und dem/der Klassenlehrer/-lehrerin
  • Beteiligung der Eltern über die Vorstellung des Konzeptes in der Klassenpflegschaftssitzung, die Einladung zur aktiven Teilnahme an den Trainingssitzungen und einem Angebot zur Teilnahme an einem Elterntraining der Elternschule Hamm
  • Klassenregeln mit Schülern erarbeiten

Methoden

  • Interaktionspädagogische Übungen
  • Methoden „Konfrontativer Pädagogik“
  • Methoden „Systemischer Sozialer Arbeit“
  • Rollenspiele
  • Gesprächsrunden
  • Kämpfen nach Regeln

Setting Schülergruppe

  • die gesamte Klasse nimmt teil
  • der/die Klassenlehrer/-lehrerin nimmt teil
  • Elternhospitationen sind freiwillig und ausdrücklich erwünscht
  • Gemischtgeschlechtliches Trainerteam (mindestens 2 Trainer)
  • Mindestens 10 Sitzungstermine je 90 min

Auswertung

  • Kartenabfrage Lehrkraft (siehe Anlage pdf)
  • Auswertungsbogen Kinder (siehe Anlage pdf)
  • Auswertungsbogen Lehrkräfte (siehe Anlage pdf)
  • Projektauswertung nach Abschluss (siehe Anlage pdf)

 


[1] Diese konstruierten Gruppenzuschreibungen sind keine konstante Einordnung einzelner Kinder, sondern in Bezug zu einzelnen Situationen zu sehen. Dies schließt die Möglichkeit ein, dass Schüler in er Lage sein können in unterschiedlichen Situationen unterschiedlichen Akteursgruppen anzugehören