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Move 2010 - Die Schotti macht sich auf den Weg

Kurzbeschreibung:  

1. Zielgruppen

Zielgruppe für dieses Projekt sind Jugendliche aus der Schottschleife. Alle haben einen Migrationshintergrund und kommen aus muslimischen Familien. Viele dieser Jugendlichen haben aufgrund der finanziellen bzw. kulturellen Gegebenheiten nur begrenzte Möglichkeiten, lebenspraktische Erfahrungen außerhalb des Wohnraums bzw. ohne die Familie durchzuführen. Die Folge ist, dass es vielen Teilnehmerinnen schwerfällt, selbständig Erfahrungen außerhalb ihres Wohnortes zu machen bzw. sich außerhalb der vertrauten Umgebung zurechtzufinden und zu organisieren.

Darüber hinaus konnte in der pädagogischen Arbeit immer wieder festgestellt werden, dass die Jugendlichen häufig dazu neigen, sich in der Gesellschaft als nicht gewollt und ausgegrenzt zu empfinden. Die Folge ist die Bildung einer Subkultur mit eigenen Sprach- und Verhaltensriten, welche von der Bewohnerschaft in der Schottschleife oft als bedrohlich empfunden wird. In der Folge kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Jugendlichen und Anwohnern, welche Punkte wie Kommunkationsfähigkeit, das Übernehmen von Verantwortung sowie das Einhalten von Absprachen oft vermissen lassen.

Zielgruppe der Fahrt zum Phantasialand sind die Mädchen des Projektes „Merhaba“, welche seit ca. 2 Jahren bei der Jugendarbeit Hamm-Norden e.V. verortet ist. Da die Eltern der muslimischen Mädchen aus kulturellen Gründen ausdrücklich keine gemeinsame Fahrt mit den männlichen Jugendlichen wünschen und die Jugendlichen den Wunsch einer Trennung ebenfalls klar geäußert haben, müssen die Fahrten separiert stattfinden. Die Trennung bietet aber auch die Möglichkeit, individueller auf die TeilnehmerInnen eingehen zu können, um die Projektziele optimal erreichen zu können.  

Zielgruppe der Fahrt zum Movie-Park Bottrop sind Jugendliche, welche im selbstverwalteten Containerprojekt an der Schottschleife verortet sind. Dieses Projekt ist seit mehreren Jahren fest im Konzept der Jugendarbeit verankert. Speziell ausgebildete Gruppenleiter übernehmen hier die Verantwortung für die Öffnungszeiten sowie für verschiedene Aktionen und Fahrten.

2. Durchführung

In einem ersten Schritt wurden bereits einige Fahrten im Stadtgebiet zu Freizeiteinrichtungen oder Fußballturnieren durchgeführt. Da die Jugendlichen diese Aktionen im Hinblick auf die o.a. Projektziele für sich und ihre Entwicklung als sehr hilfreich empfanden, sollen sie nun in einem zweiten Schritt Erfahrungen außerhalb des Stadtgebietes von Hamm machen. Die Jugendlichen haben im Rahmen der beiden Gruppen gemeinsam entschieden, dass die Fahrten in verschiedene Freizeitparks in NRW gehen sollen.  Die Jugendlichen klären im Vorfeld der Fahrt und in unterschiedlichen Gruppen folgende Punkte: Ermittlung der Eintrittspreise

  • Ermittlung der Mietpreise für Bullis sowie der entsprechenden Spritkosten
  • Ermittlung für die Fahrtkosten mit der Deutschen Bahn
  • Erstellen eines Tagesablaufes (Treffen wann und wo, Abfahrt, Absprache vor Ort, Rückfahrt)
  • Erstellung eines Elternbriefes und einer Einverständniserklärung
  • Festlegen der Route und entsprechende Routenführung
  • Ermittlung von passenden Zug- und Busverbindungen
  • Organisation der Gruppenverpflegung  

3. Pädagogische Begleitung und Auswertung

Begleitet werden von einer hauptamtlichen Fachkraft sowie einer nebenamtlich tätigen Fachkraft. Die Wirksamkeit des Vorhabens wird anhand von Fragebögen ausgewertet.

4. Erfahrungsbericht

Die Schotti macht mobil

 Am 30.07. 2010 machten sich die Mitarbeiter der Jugendarbeit Hamm-Norden e.V. mit siebzehn Jungs aus der Schottschleife auf den Weg in den Movie-Park Bottrop. Dabei brauchten die Sozialarbeiter nicht viel zu organisieren, wurde die Fahrt doch aus Mitteln des Bundesprogramms „Brücken bauen / Plan Bildung“ finanziert.

Voraussetzung für die Finanzierung der Idee durch den Präventivkreis Hamm-Norden war, dass sich die Jugendlichen im Rahmen des Aspektes „Mobilität“ selbst um alles kümmern, was mit dem Thema „Organisation einer Fahrt“ zusammenhängt. Darüber hinaus musste jeder Teilnehmer einen Eigenanteil zahlen. Dann konnte es losgehen: Die Abstimmung des Reiseziels, das Festlegen der Reiseroute, der Kauf der Fahr- und Eintrittskarten, die Organisation der Verpflegung – all das lag in der Verantwortung der Jugendlichen selbst. Aber natürlich wollten die Mädchen auch wegfahren, dabei aber erst mal unter sich bleiben. Ihr Reiseziel war am 03.08. das Phantasialand in Brühl, auch hier lag die Organisation komplett in den Händen der sieben Jugendlichen.

Ziel solcher Unternehmungen soll es sein, dass die Jugendlichen sich auch mal über die Grenzen ihrer gewohnten Umgebung hinausbegeben und direkt erfahren, wie man sich organisiert bzw. „da draußen“ zurechtfinden kann.

Die Aktionen haben so großen Anklang gefunden, dass die Kids bereits auf dem Heimweg erste Pläne für die nächste Touren geschmiedet haben

5. Evaluation

Zum Abschluss des Projektes wurden die 25 TeilnehmerInnen (7 weibl./18männl.) zu den Projektindikatoren

  • Orientierungssicherheit außerhalb des Wohnortes bzw. Stadtgebietes
  • Planungssicherheit in Bezug auf Reisevorhaben bzw. Freizeitaktivitäten
  • Kommunikationsfähigkeit in Bezug auf Wertschätzung,  Kompromiss und Argumentationsfähigkeit

 befragt.

84% der Befragten fanden die Planung und Durchführung des Projektes im Team für sie förderlich. Der gleiche Anteil gab an, sich besser außerhalb des Hammer Norden bewegen zu können. Sich kennengelernt zu haben und mit anderen besser kommunizieren zu können wurde von allen genannt (100%). Die Zufriedenheit spiegelt sich auch darin wider, dass ein solches Projekt überhaupt zustande gekommen ist, jeder einen aktiven Anteil unter Anleitung übernehmen musste, aber auch eigene Ideen einbringen konnte (84%). Die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen) fand bei 90% der TeilnehmerInnen Zustimmung.