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Ein „Plan Bildung“ für den Hammer Norden: Verbesserung der individuellen Förderung in allen Entwicklungsphasen anhand der Leitkompetenz „Mobilität“

Warum "Leitkompetenz Mobilität"? "Mobilität" bietet sich als Leitthema an,

  • da die Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner in besonderer Weise unterent­wickelt ist,
  • diese mangelnde Mobilität laut Jobcenter eines der großen Vermittlungshemm­nisse ist
  • und mit Projekten der Arbeitskräftemobilität aufgrund der schlechten Ausbildungs­marktlage besondere berufliche Integrationschancen bestehen.

 Außerdem verstärken sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse in den letzten Jahren, dass Intelligenzentwicklung und Bewegung in sehr engem Zusammenhang stehen. Lernen ohne Bewegung ist praktisch nicht möglich. Mobilität wird hier als das Produkt von kognitiven Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen und einer inneren Haltung der Beweglichkeit verstanden.

Dieses Projekt soll starten mit einer übergreifenden Arbeitstagung, bei durch Experten die verschiedenen Aspekte von Mobilität erläutert und Hand­lungsansätze aufgezeigt werden. Hier soll es über alle Altersgruppen von der Ge­burt bis zur beruflichen Integration um Möglichkeiten der Diagnostik und individu­ellen Förderung gehen. In verschiedenen Workshops werden erste Arbeitspläne erstellt. Aus dieser Fachtagung entwickeln die einzelnen Bereiche (siehe Netz­werk/Kooperation) dann für die jeweiligen Altersstufen entsprechende Arbeitsan­sätze. Dies können beispielsweise sein:

  • Für die ersten drei Lebensjahre: Ausbau und Qualifizierung der Angebote für Eltern. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Eltern insbesondere in dieser Entwicklungsphase am besten in den verschiedenen Arten der Eltern-Kind-Grup­pen erreicht werden, insbesondere dann, wenn diese lebenslagenspezifisch diffe­renziert sind. Über das Thema "Mobilität" wird eine undogmatische thematische Klammer geschaffen. Das Zusammenspiel von Bewegungsentwicklung und Intel­ligenzentwicklung wird als Basis einer späteren Mobilität begriffen. Es werden nicht nur professionelle Angebote entwickelt, sondern die Selbstorganisations­kompetenz von Eltern und ehrenamtliches Engagement stehen im Vordergrund. In einfachen und lebenspraktischen Arbeitsformen werden die Umwelt und die Ressourcen des Stadtteils (Natur, Spielräume, Einrichtungen) wieder mehr ge­nutzt werden. An dieses Netzwerk werden thematische Angebote organisch an­gedockt, indem Experten zu angefragten Themen rund um Entwicklung in die Gruppen kommen, indem Gruppen gemeinsam thematische Veranstaltungen be­suchen oder indem Eltern als Mediatoren für derartige Fragen ausgebildet werden und dieses Wissen über diesen Weg in die verschiedenen Lebenswelten bringen (hier gibt es erste erfolgreiche Erfahrungen).  
  • Dieser Schwerpunkt wird im "Kindergartenalter" weitergeführt. Bewährte Arbeits­for­men und Strukturen werden fortgesetzt. Die Fähigkeit zur psychomoto­rischen Diagnostik in Kindertageseinrichtungen wird durch entsprechende Qualifi­zierung verbessert werden, auf dieser Basis eine entsprechend individuell ausge­richtete Förderung aufgebaut. Die umfassende psychomotorische Förderung wird als gemeinsame Aufgabe im Dreieck "Kind - Fachkräfte - Eltern" begriffen. Be­sonderer Wert wird auf die Unterstützung eigenverantwortlicher Aktivitäten im familiären Kontext gelegt. Auf der praktischen Projektebene führen die Akteure "Familiensonntage", "Familienpädagogische Wochenenden", "Stadtteilstreifzüge mit Eltern und Kindern", Wohnumfeldgestaltungsprojekte zur Bewegungsanre­gung und vieles mehr durch. Das Thema "Mobilität" wird altersgemäß durch Maß­nahmen der Verkehrserziehung sowohl für Eltern als auch für Kinder aufgegriffen werden. Kinder und ihre Eltern werden sicherer, wie eine altersgerechte Mobilität praktiziert werden kann. 
  • Im Grundschulalter verschiebt sich (ohne diesen Aspekt aufzugeben) der Fokus von der psychomotorischen Entwicklung zu eigenständiger Mobilität. Auch hier die Basis: eine bessere Entwicklungsdiagnostik mit darauf aufbauender individu­eller Förderung. Für die Förderung werden der Stadtteil und zunehmend auch die ganze Stadt zum Erlebnis-, Erfahrungs- und Bewegungsraum genutzt. Es wird ein Gegengewicht zu Insel- und Medienkindheit geschaffen, auf freie Bewegung draußen, ungelenkte Kommunikation zwischen Kindern hingewirkt. Unter dem Motto "Stadtteil als Bewegungsraum" erobern Fachkräfte in engem Schulter­schluss mit Eltern vorhandene Räume zurück, gestalten sie vielleicht neu. Eltern begreifen hierdurch die Bedeutung von Bewegung und Mobilität, lernen, wie sie ihre Kinder durch derartige Aktivitäten fördern können. Hier bieten sich vielfältige Projektansätze, auch bewährte, an: Stadtteilerkundungen, Stadtteilrallyes, Bau­projekte, nach Möglichkeit immer gemeinsam mit Eltern, Fachkräften und Kindern. Auch die Sportvereine bieten wichtige Möglichkeiten, die sie in das Netz einbringen können. Die Dinge sind nicht neu, aber sie werden in einem neuen Verständnis getan. 
  • In der SEK 1 verstärkt sich der Radius der Mobilität zunehmend. Die wachsende selbständige Orientierung in der Stadt, in der Region, im Land, in der Europäi­schen Union steht im Vordergrund. Das Wechselspiel von Bewegungs- und Intel­ligenzentwicklung bleibt ein Thema, auch unter gesundheitsfördernden Aspekten. Auch in der SEK 1 sollen auf der Basis individueller Kompetenzfeststellung darauf abgestimmte Fördermaßnahmen entwickelt werden. Auf der Handlungsebene kann es hier um die bessere Kooperation mit Sportvereinen, neue Formen des Sport­unterrichts, aber auch um die aktive eigenverantwortliche Planung und Durchfüh­rung von Fahrten und Reisen gehen. Formen des Mobilitätstrainings werden ent­wickelt. Der Blick über den Tellerrand des Stadtteils und der Stadt wird geöffnet, Weltoffenheit gefördert. Gemeinsam mit Eltern könnten Betriebsbesichtungen und Exkursionen zu Betrieben und Einrichtungen in der Region unternommen werden, um durch das Miteinander die familiäre Kommunikation über die Berufsfindung zu verbessern. Eltern werden zu "Wegbegleitern" der beruflichen Integration. In spe­ziellen Elternseminaren können die begleitenden Fragen des Loslassens und des Findens einer neuen Form der Beziehung, wenn die Kinder "aus dem Haus" sind, bearbeitet werden. Dabei wird der Blick zunehmend auf Regionen und Länder mit Arbeitskräftemangel gerichtet, die zum Ziel von Reisen und speziellen Maßnah­men der beruflichen Orientierung im Europäischen Kontext unter der Flagge "Arbeitskräftemobilität" werden. Im Idealfall steht am Ende eine gelungene Integ­ration in Ausbildung und Arbeit, sei es durch den Aufbruch in andere Länder, sei es in der Nähe mit einer inneren Haltung der Beweglichkeit. 
  • In diesen Prozess sollen lokale Betriebe als auch Betriebe in Regionen mit Arbeits­kräftebedarf einbezogen werden. Lokale Betriebe können helfen, durch Praktika Auslandsprojekte vorzubereiten, und profitieren von weltoffenen mobilen jungen Menschen. Betriebe in anderen Regionen stellen mit Praktikumsplätzen Erfahrungsräume bereit und finden junge Menschen, die dort eine Ausbildung machen. 

Ziele und Zielgruppe/n

Unter der "Leitdimension" Mobilität sollen mit Blick auf die Abfolge individueller Entwicklung (Geburt bis Übergang Schule und Beruf) Aktivitäten und Projekte entwickelt und gebündelt werden, mit denen Mobilität und ihre Voraussetzungen gefördert werden.

Diese Leitdimension soll helfen, über ein gemeinsames Schwerpunkthema Koopera­tionen zu verbessern, Synergien zu erschließen, neue Projektideen zu entwickeln. Denn es hat sich herausgestellt, dass die gemeinsame Arbeit an einem übergreifen­den Schwerpunktthema sowohl fokussierende als auch motivierende Wirkung hat. Darüber hinaus sind die angestrebten Verbesserungen, die eigentlich durch den Auftrag zur individuellen Förderung heute gesetzlich gefordert sind, nicht unmittelbar für alle Entwicklungsdimensionen umzusetzen. Insofern ist die in diesem Projekt ge­wählte Strategie gleichzeitig komplex und fokussiert. 

Ziele sind im Einzelnen:

  • Die Verbesserung der altersgerechten Diagnostikkompetenz von Fachkräften bezo­gen auf "Mobilität" mit den zugrunde liegenden Basiskompetenzen (Mobilität als Fähigkeit, sich zu orientieren, zu bewegen und sich an anderen Orten zu­rechtzufinden, und Mobilität als eine Haltung, als Bereitschaft, in andere "Welten" aufzubrechen).
  • Die Entwicklung und Einbeziehung geeigneter Maßnahmen und Aktivitäten zur Förderung von Mobilität in allen Entwicklungsphasen
  • Die Verstärkung individueller Förderung im Wechselspiel von Kompetenzfeststel­lung und zielgerichteter Maßnahmen
  • Die verstärkte Einbeziehung und Unterstützung von Eltern als eigenständige "Bildungspartner"
  • Die Verstärkung des Bewusstseins aller Beteiligten für die Förderung eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses als abgestimmte Gemeinschaftsaufgabe und die Herausbildung multiprofessioneller Strategien als Standard
  • Die Evaluation des Projektes in Bezug auf die fachliche Einschätzung und die Zufriedenheit der Beteiligten, Verbesserung der fachlichen Kompetenz der Fach­kräfte und der Förderkompetenz der Eltern, Wirksamkeit der Fördermodule, Effektivität und Funktionalität der Vorgehensweise
  • Die bessere systematische Unterstützung pädagogischer Einrichtungen in sozia­len Brennpunkten (ein PISA-Ergebnis: Schulsysteme mit hoher Selbständigkeit und guten Unterstützungssystemen sind erfolgreich!)
  • Die Verstärkung eines gesellschaftlichen Klimas auf der Ebene des Stadtteils, in dem Eltern sich selbstbewusst und selbstverständlich in Bildungsprozesse einbrin­gen und die Akzeptanz entsprechender Bildungs- und Unterstützungsangebote zum natürlichen Repertoire gehört.
  • Die Dokumentation und Verbreitung der Ergebnisse durch Dokumentation und Fachtagung 

Zielgruppen der Aktivitäten sind:

  • Fachkräfte der einbezogenen Fachbereiche, vor allem des Bildungssystems und der Jugendhilfe
  • Akteure im Stadtteil, die in irgendeiner Weise zur Förderung von Mobilität bei­tragen können
  • Kinder, Jugendliche und Eltern 

Beschreibung des Modellcharakters der jeweiligen Einzelprojekte

Modellhaft sind an diesem Projekt

  • Bildung als Gemeinschaftsaufgabe zu begreifen
  • Abgestimmte Maßnahmen im Fokus "Individuelle Förderung" zu entwickeln und Maßnahmen besser abzustimmen
  • Individuelle Förderung durch das Wechselspiel von Diagnostik / Kompetenzfest­stellung und individueller Fördermaßnahmen zu praktizieren und hierfür Modelle zu entwickeln
  • Eltern als Bildungsakteure zu begreifen und sie für diese Aufgabe zu befähigen. 

Alle Maßnahmen der Entwicklungsförderung am strategischen Ziel des erfolgrei­chen Übergangs in Ausbildung und Beruf zu orientieren und hierfür Arbeitsmo­delle zu entwickeln. 

Vernetzung/Kooperationspartner

Die zentralen Schnittstellen sind zunächst der Arbeitskreis Hamm-Norden in Verbin­dung mit dem Präventivkreis Hamm-Norden als zentraler Steuerungs­ebene.

Das "Kinderhilfenetzwerk" verbindet alle pädagogischen Akteure; hier muss vor allem im Bereich der ersten drei Lebensjahre an einer Erweiterung gearbeitet werden.

Zusätzlich gibt es Netzwerke, die sich auf die einzelnen Einrichtungen und damit auch auf die Entwicklungsabschnitte beziehen:

  • Steuerungsgremium Familienzentrum (Schwerpunkt 0-6); bisher alle Kitas vertreten)
  • Steuerungsgremium Ludgerischule (alle Akteure im Bereich des Grundschul­alters); im Rahmen des Projektes müsste dieses Gremium auch auf die Johannesgrundschule erweitert werden.
  • Steuerungsgremium Karlschule (Ganztags-Hauptschule); im Rahmen des Projektes müssten hier weitere Schulen mit SEK 1 einbezogen werden.
  • Neu zu gründen ist ein Netzwerk "Übergang Schule Beruf", in dem vor allem lokale Wirtschaft mit Bildungsträgern und weiterführenden Schulen auf Stadtteilebene kooperieren.
  • Neu zu gründen wäre auch ein Netzwerk der Elternvertretungen der Einrich­tungen im Stadtteil, um Eltern als Akteure noch besser ins Boot zu bekommen. 

Nachhaltigkeit

Es geht in erster Linie um die Verbesserung fachlicher Kompetenz, die Entwicklung und Erprobung von Know-how und die Verbesserung der Arbeitsstrukturen. es ist davon auszugehen, dass diese Projektmodule nachhaltig sind, wenn sie sich als wirksam und hilfreich erweisen. Sicherlich sind auch später Projektmittel für einzelne Module, Aktivitäten und Maßnahmen notwendig, aber die Erfahrungen zeigen, dass diese Gelder auch bereitgestellt werden - sei es zusätzlich, sei es durch sinnvolle Umschichtungen - wenn das Projekt gut läuft.

Nachhaltig kann das Projekt auch in dem Sinne sein, dass das erarbeitete Know-how auch für andere Stadtteile und Kommunen nutzbar wird. Dies geschieht durch die vorgesehene Fachtagung, Dokumentation und die Schaffung einer Web-Plattform. 

geplanter Durchführungszeitraum:

Projektbeginn: 1.1.2009
Projektende:    30.8.2011

Bisher wurden die folgenden Einzelprojekte bewilligt:

Sobald Erfahrungsberichte und Ergebnisse vorliegen, werden wir Sie hier weiter informieren.