Aktionsplan Kinderarmut

Ausgangslage
Das Thema „Kinder- und Familienarmut“ wird von verschiedensten Seiten thematisiert und wird von den Kolleginnen und Kollegen in der alltäglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Es herrscht eine Unsicherheit, teilweise auch Uneinigkeit darüber, wie mit den Problemen, z.B. nicht bezahlten Kosten, umzugehen ist. Es fehlt an praktischen Möglichkeiten, Eltern wirksam zu unterstützen. Es gibt große Unterschiede in den Haltungen und Auffassungen zum Problem der Kinderarmut, die sich tlw. blockieren. Hier lassen sich unterschiedliche Muster identifizieren (caritativer Ansatz, Empowermentansatz, wohlfahrtsstaatlicher Ansatz, Aktivierender Ansatz). Wie kann aus dem Gegeneinander bzw. der relativen Bewegungsunfähigkeit fachliche Bewegung entstehen?
Beschreibung der jeweiligen Einzelprojekte
- Durch ein mit Praktikern aus den relevanten Bereichen (Jobcenter, Schulen und Kitas, Freie Träger) besetztes „Praxisforschungsteam“ erfolgt eine Problemanalyse und die Erarbeitung von Lösungsstrategien. Da es sich um einen hohen Arbeitsaufwand handelt, soll die Arbeit durch Mehraufwandsentschädigung unterstützt werden.
- In einer Zukunftswerkstatt mit Praktikern aller Bereiche unter Einbeziehung der Leitung von Trägern und Verwaltung sowie lokaler Politik werden Lösungsvorschläge erarbeitet.
- In weiteren Workshops wird an der Weiterentwicklung fachlicher Haltungen und praktischer Kompetenzen im Umgang mit Armut gearbeitet (Transformation der Muster: caritativer Ansatz, Empowermentansatz, wohlfahrtsstaatlicher Ansatz, Aktivierender Ansatz)
- Durch das Praxisforschungsteam wird die Umsetzung der Vorschläge begleitet.
- Die Ergebnisse und Erfahrungen werden evaluiert und dokumentiert.
- In der Praxisphase werden die Lösungsvorschläge auf mindestens drei Ebenen umgesetzt:
Wie kann auf der institutionellen Ebene in Kindertageseinrichtungen und Schulen mit dem Problem umgegangen werden: Kostenerstattung – Kostenfreiheit für Lernmittel, Essen, Fahrten usw.; Ausgleich zwischen mehr und weniger verdienenden Eltern; Sponsoring und andere Formen der Unterstützung;
Welche politischen Lösungen gibt es auf kommunaler Ebene, welche Vorschläge werden an Bund und Land weitergereicht?
Wie können Eltern in prekären finanziellen Situationen unterstützt und auch herausgefordert werden? z.B. Schulung im Umgang mit Geld, Second-Hand-Basare oder Laden, Dienstleistungstausch, Kinderbetreuung auf Gegenseitigkeit
Ziele und Zielgruppe/n
Mit dem Projekt werden vier zentrale Ziele verfolgt:
- Verständigung im Netzwerk über Ursachen und Folgen von Armut und Erarbeitung gemeinsamer Strategien
- Klärung der Problemlage am Beispiel ausgewählter Familiensystemen und Erarbeitung von Lösungsansätzen sowohl auf politischer Ebene, auf institutioneller Ebene (Was können Kitas, Schulen, Freie Träger tun?) und auf individueller Ebene (Was können Eltern und Kinder und Jugendliche selbst tun?)
- Entwicklung von Aktionen und Maßnahmen zur Linderung von Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche
- Entwicklung von Unterstützungssystemen für Eltern mit geringem Einkommen für ein besseres „Budgetmanagement“
Beschreibung des Modellcharakters der jeweiligen Einzelprojekte
Es fehlt bisher an der Verknüpfung von Armutsanalysen und praktischer Umsetzung von Vorschlägen. Kinderarmut wird vielfach thematisiert, aber die Umsetzung konkreter Vorschläge bleibt dem Zufall bzw. der Bereitwilligkeit anderer überlassen. Auf der praktischen Ebene herrschen eher Aktionismus bzw. viele einzelne Aktionen vor. Mit dem Aktionsplan wird ein handlungsorientiertes Modell von Armutsforschung konzipiert, das später gut übertragbar und weiterführbar ist.
Vernetzung/Kooperationspartner
- Die zentralen Schnittstellen sind zunächst der Arbeitskreis Hamm-Norden in Verbindung mit dem Präventivkreis Hamm-Norden als zentraler Steuerungsebene.
- Das „Kinderhilfenetzwerk“ verbindet alle pädagogischen Akteure; hier muss vor allem im Bereich der ersten drei Lebensjahre an einer Erweiterung gearbeitet werden.
- Zusätzlich gibt es Netzwerke, die sich auf die einzelnen Einrichtungen und damit auch auf die Entwicklungsabschnitte beziehen:
Steuerungsgremium Familienzentrum (Schwerpunkt 0-6); bisher alle Kitas vertreten)
Steuerungsgremium Ludgerischule (alle Akteure im Bereich des Grundschulalters); im Rahmen des Projektes müsste dieses Gremium auch auf die Johannesgrundschule erweitert werden.
Steuerungsgremium Karlschule (Ganztags-Hauptschule); im Rahmen des Projektes müssten hier weitere Schulen mit SEK 1 einbezogen werden.
Neu zu gründen ist ein Netzwerk „Übergang Schule Beruf“, in dem vor allem lokale Wirtschaft mit Bildungsträgern und weiterführenden Schulen auf Stadtteilebene kooperieren.
Neu zu gründen wäre auch ein Netzwerk der Elternvertretungen der Einrichtungen im Stadtteil, um Eltern als Akteure noch besser ins Boot zu bekommen.
Kooperationspartner:
- Alle Kitas und Schulen
- Stadtteilbüro
- Träger der Jugendhilfe und Jugendberufshilfe
- Elternschule Hamm e.V.
- Stadt Hamm – Jugendamt
- Stadt Hamm – Stadtplanungsamt
- Kommunales Jobcenter
- Aktion „Menschen in Not“ des Westfälischen Anzeigers
Nachhaltigkeit
- Mit dem Projekt wird für fachliche Klärung und eine Verbesserung der Kooperation gesorgt, die nachhaltig wirken kann.
- Es werden Lösungsstrategien gefunden, die dauerhaft angewandt werden können.
- Das Modell lässt sich auf andere Stadtteile und auf andere Themen übertragen.
geplanter Durchführungszeitraum
01.01.2009 bis 31.12.2010
