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Stärkung der Erziehungsfähigkeit von Müttern türkischer Söhne mit Auffälligkeiten

Veranstalter

Karlschule Hamm

Förderzeitraum

15. August 2006 bis 30. Juni 2007

Ziele und Zielgruppe

Mütter, die sich ihren Söhnen unterordnen, können ihre Elternrolle nicht ausüben. Während die türkischen Mütter in ihrem Wohnumfeld in der Muttersprache erfolgreich handeln können, bleiben die Erfolge aus, sobald sie in deutschsprachiger Umgebung sind. Sie wissen, dass insbesondere ihre Söhne diese Schwäche ausnutzen - sehr wahrscheinlich schämen sich die Jungen sogar, weil sie ihre Mütter als inkompetent empfinden. Genauso schämen sich die Mütter, weil sie den verächtlich arroganten Haltungen ihrer Söhne bisher nichts entgegensetzen können.

Im Rahmen schulischer Beratungsarbeit an der Karlschule wird offenkundig, dass Jungen türkischer Herkunft mit beginnender Pubertät ihre Mütter geringschätzig behandeln und die nicht deutschsprachigen Mütter dem Herrschaftswissen ihrer Söhne hilflos ausgeliefert sind. Dies ist umso mehr der Fall, wenn sie allein erziehend sind. Gleichzeitig wird hiermit der schulische Erfolg dieser Jungen fragwürdig.

Mit diesem Mikroprojekt will die Karlschule Mütter in ihrer Autorität als Erzieherinnen stärken, um dadurch positive Wirkungen bei deren Söhnen zu erzeugen. Durch den regelmäßigen Besuch der Mütter in der Karlschule können die Söhne den wertschätzenden Umgang erleben, den ihre Mütter hier erfahren. So sollen insgesamt das Leistungs- und Sozialverhalten der Jugendlichen und auch die Akzeptanz der Mütter bei den Söhnen verbessert werden.

Verlauf

Über die Dauer eines Schuljahres arbeitete eine türkischsprachige Sozialarbeiterin mit diesen Frauen. Die Akquise der Mütter erfolgte über problemorientierte Gespräche, die die Schule anbahnte.

Alle Kurse und alle Beratungen fanden vormittags in der Schule statt, damit die Söhne die Präsenz ihrer Mütter wahrnehmen konnten. Die Sozialarbeiterin vermittelte in Einzelberatungen und in regelmäßig stattfindenden sozialpädagogischen Gruppensitzungen die Grundsätze grenzerziehender Pädagogik und nutzte dabei die Möglichkeit, den Müttern den Unterricht ihrer Söhne vor Ort zu zeigen. Zur Krisenintervention wurde ein Coaching sowohl mit den Jugendlichen als auch mit den Eltern durchgeführt. Bei allein erziehenden Müttern wurde stets versucht, den Vater durch Gespräche miteinzubeziehen.

Im zweiten Schritt ermutigte die Sozialarbeiterin die Mütter, einen Deutschkurs zu besuchen, der ebenfalls vormittags in der Karlschule stattfand. Es handelte sich um Frauen, denen trotz jahrelanger Anwesenheit in der Bundesrepublik der Besuch eines Deutschkurses bisher familiär verwehrt worden war. Da einige Mütter auch Analphabetinnen waren, war die sozialpädagogische Begleitung im Sprachkurs unvermeidlich.

Schließlich absolvierten die Frauen einen PC-Kurs im selben Unterrichtsraum, in dem auch ihre Söhne unterrichtet wurden. Sie lernten Grundlagen der Textverarbeitung und erwarben Kenntnisse über den Zugang, zum Internet und dessen Chancen und Gefahren.

Ergebnis

Das Angebot zu regelmäßigen Gruppentreffen der Mütter und zum Coaching beider Elternteile wurde gut angenommen. Nicht nur die überwiegend allein erziehenden Mütter, sondern auch die Väter haben sich in den Gesprächen mit den Problemlagen Pubertätskonflikte, traditionelles Rollenverhalten und Integration beschäftigt. In vermittelnden Gesprächen mit den Jugendlichen, den Eltern und auch dem Jugendamt wurden Lösungen erarbeitet, die in einem Einzelfall die Unterbringung eines Jungen bei seinem Vater vorsah.

Durch den Deutschkurs war bei vier von fünf Müttern eine Erhöhung der Sprachkompetenz und Selbständigkeit zu verzeichnen. Gleichzeitig erwarben die Frauen Grundkenntnisse im Umgang mit dem Computer.

Insgesamt veränderten die Jugendlichen das hochnäsige Verhalten gegenüber ihren Müttern. Zum Ende des Schuljahres zeigte keiner der Jungen mehr eine Verhaltensauffälligkeit.

Ansprechpartner(in)
Gabriela Kreter, Direktorin
Karlschule Hamm
Westberger Weg 17-19
59065 Hamm

Tel.: 02381/9148512
Mail: karlschule.schulen.hamm(at)t-online.de oder postmaster(at)karlschule.ham.nw.schule.de
Web: www.karlschule.schulnetz.hamm.de