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Qualfizierung von Migranten als Mediatoren für Erziehungsfragen

Veranstalter

Stadtteilbüro Hamm-Norden
Elternschule Hamm

Förderzeitraum

1. Januar bis 30. Juni 2007

Ziele und Zielgruppe

Es wird immer deutlicher, dass für den Bildungserfolg von Kindern und ihren beruflichen Chancen ist eine gute familiäre Förderung ausschlaggebend ist. Insbesondere in Migrantenfamilien, die kaum deutsch sprechen und bisher von Anstrengungen der Elternschule Hamm selten erreicht wurden, bestehen hier erhebliche Defizite.

Der Wunsch: „Mein Kind soll es einmal besser haben als ich!“ ist besonders für Eltern mit Migrationshintergrund schwer zu erfüllen, wenn diese die deutsche Sprache beherrschen und kaum Zugang zu den Freizeit- und Förderorten in Hamm haben.

Unter dem Motto „Mein Kind wird fit – ich mache mit“ sollen in diesem Mikroprojekt zunächst Migrantinnen und Migranten unterschiedlicher Nationen mit ausreichenden Deutschkenntnissen als Multiplikatoren in Sachen Erziehung geschult werden. Zielgruppe für die Schulungen sind Eltern aus den Kitas und Schulen im Hammer Norden, die bereit sind, sich mit dem deutschen Bildungs- und Erziehungssystem auseinander zu setzen und als ehrenamtliche Mediatoren das Wissen an ihre nicht deutsch sprechenden Landsleute weiterzugeben.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll diese Qualifizierung je nach Ausgangsvoraussetzung als berufliche Orientierung oder als "lebensweltliche Qualifizierung" für ein späteres Freiwilligenengagement dienen.

Teil des Mikroprojektes ist, dass die Mediatoren in den Schulungen zusammen ein entsprechendes Konzept für die Inhalte und Vermittlungsformen entwickeln. Lerntheoretisch soll sich dieses Konzept an dem "Lernen aus Erfahrung" und erlebnispädagogischen Konzepten orientieren, d.h. die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeben sich in bestimmte Settings wie Freizeitparks oder Kinderarztpraxen, um hier die Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung von Kindern zu erkunden.

Verlauf

Aufgund der breit angelegten Werbekampagne mit Unterstützung von Multiplikatoren im Stadtteil und direkter Akquise trafen sich sieben Väter und Mütter unterschiedlicher Nationen zur theoretischen Schulung an fünf Terminen. Neben der Vermittlung von Basiswissen über das deutsche Bildungs- und Erziehungssystem sowie dessen Grundsätzen und Haltungen lag der Fokus auf alltagspraktischen Möglichkeiten, wie Kinder individuell gefördert werden können. Dazu erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen über die vielfältigen lokalen Angebote zur aktiven Freizeitgestaltung von Familien sowie über das Netzwerk aus Beratung und Hilfeleistungen. Darüber hinaus haben die Eltern auf Exkursionen zu besonderen Förderorten in Hamm wie dem Tierpark, dem Maxipark, einem Wald oder auch zu einem Spielplatz praktische Erfahrungen sammeln können.

Bei weiteren Terminen konnten die Multiplikatoren im Rahmen eines Erfahrungsaustausches nicht nur strategisch planen und reflektieren, wie sie ihr Fachwissen zukünftig in Aktionen mit ihren Landsleuten anbringen können, sondern auch direkt in die Praxis umsetzen.

Mit der Überreichung eines Zertifikats schloss der erste Teil des Projektes im Juni.   

Ergebnis

Nach z.T. anfänglicher Skepsis waren die Mediatoren von den Inhalten und der Vermittlung derart begeistert, dass alle bis zum Ende und an nahezu allen Ausbildungsmodulen teilnahmen. Insbesondere die gute Praxisorientierung und die Methoden der Erwachsenenbildung beeindruckten die Eltern nachhaltig. Sie waren sich einig, dass es für ihre nicht so gebildeten Landsleute wichtig sei, durch gezielte Familienförderung etwas für die Kinder zu tun. Anstatt endloser Theorie sei es besonders wichtiger, diesen Eltern die Notwendigkeit anhand konkreter Beispiele zu verdeutlichen. Nur durch Vorträge sei weder ein Lernen noch eine Verhaltensänderung zu erzielen. Dass Lernen auch Spaß machen kann, wenn es entsprechend gestaltet wird, war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine neue Erfahrung, die sie weitergeben wollen.

Im theoretischen Teil begrüßten die Eltern besonders die Themen „Entwicklungsstufen und Förderungsmöglichkeiten“ mit erklärenden spielerischen Elementen und die „Sprachstandserhebung“, bei der sie zahlreiche klare Informationen erhielten. Insgesamt wünschten sich die Eltern vertiefende Informationen mit praktischen Beispielen und motivierenden Übungen.

Besonders positiv aufgenommen wurden die Exkursionen in den Tierpark und in den Maxipark. Die praktischen Übungen mit vielen Aktionen rund um das Thema „Kindliche Förderung“ begeisterten die Eltern so sehr, dass sie auch das eine oder andere Spielgerät für sich testeten.

Trotz der frühen Sommerferien führte mehr als die Hälfte der Mediatoren bereits eigene Aktionen durch. Dabei gelang ihnen der Transfer der praktischen Seminareinheiten in eigene Aktionen, so dass auch ihre Landsleute an den kurzweiligen, aber lehrreichen Aktionen bereitwillig teilnahmen. Alle sind entschlossen, nach den Sommerferien weiterhin Aktionen mit ihren Landsleuten durchzuführen, freuen sich aber auch schon auf eine Fortsetzung der Schulung im Herbst. Gewünscht wurden dafür mehr Informationen zu Themen wie Jugendliche und Pubertät, geschlechtsbedingte Unterschiede bei Jugendlichen, Konzentrationsprobleme, gesetzliche Grundlagen, Familienprobleme u.v.m.

Das vom Stadtteilbüro in Kooperation mit weiteren Trägern und Einrichtungen entwickelte Schulungskonzept steht der Elternschule Hamm zukünftig zur Verfügung, so dass weitere Eltern mit und ohne Migrationshintergrund zu Multiplikatoren in Sachen Förderung und Erziehung ausgebildet werden können.

Ansprechpartner(in)
Lydia Boelcke, Klaus Köller
Stadtteilbüro Hamm-Norden
Sorauer Str. 14
59065 Hamm

Tel.: 02381/371860
Mail: k.koeller(at)stadtteilbuero-hamm-norden.de
Web: www.hammer-norden.de