Logo HAMM-NORDEN

Berufliche Orientierung im Rahmen der Soziale Gruppenarbeit Danziger Straße

Veranstalter

Jugendarbeit Hamm Norden e.V.

Förderzeitraum

1. April bis 30. Juni 2007

Ziele und Zielgruppe

Das Quartier Danziger Straße ist eines der mit den meisten Problem belastete im Stadtteil Hamm Norden. Hier soll für männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren eine "Soziale Gruppenarbeit" im Rahmen der Hilfen zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) stattfinden. Deren derzeitiges Sozialverhalten ist geprägt durch pubertäres Gehabe, das sie selbst als „männlich“ definieren, während sie soziale und kooperative Fähigkeiten als "weibisch" ablehnen. Innerhalb der Gruppe Altersgleicher, mit der sie Umgang pflegen, erhalten die Jugendlichen für ihr antisoziales Verhalten weitestgehend Zuspruch und versuchen ihren negativen Status zu sichern.

Bei der „Sozialen Gruppenarbeit“ sollen die Jugendlichen durch gruppendynamische Prozesse ein gemeinnütziges Verhalten lernen. Dabei ist eine gewaltfreie, kooperative und demokratische Atmosphäre die Grundvoraussetzung. Brüche im prosozialen Verhalten oder Rückfälle in das „alte, dissoziale Fahrwasser“, die nach der Beendigung von Einzelmaßnahmen drohen, können durch die Gruppenstruktur vermieden oder abgemildert werden.

Alle Teilnehmer haben eine unsichere Prognose hinsichtlich ihrer Schullaufbahn und wurden bereits durch delinquentes Verhalten auffällig. Doch anstatt sich aktiv mit realen Berufschancen und Anforderungen auseinander zu setzen, resignieren sie. Um den zumeist lernbehinderten Jungen den Übergang von der Schule zum Beruf zu ermöglichen oder sie zum Weiterbesuch der Schule zu motivieren, werden den Teilnehmern zusätzlich zu dem vom Jugendamt finanzierten Programm auch berufsorientierende Bausteine in dem Mikroprojekt angeboten. Die handwerkliche Orientierung setzt bei den Erfahrungen und Neigungen der Jugendlichen an, um ihr Interesse zu gewinnen und um ihnen konkrete berufliche Wege aufzuzeigen. Indem sie selbst Mikroprojekte im öffentlichen Raum wie die Neugestaltung des Spielplatzes der Danziger Straße vorschlagen, erstellen und gestalten, können sie sich ausprobieren und gleichzeitig positiv an ihrer Wohnumfeldgestaltung mitwirken.

Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund haben aufgrund ihrer kulturellen Hintergründe ein sehr einseitiges Frauenbild und sind es kaum gewohnt, dass Frauen aktiv und gleichberechtigt mit Männern zusammenarbeiten.

Verlauf

Je nach ihrem Bedarf wählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes wählten zusammen mit einem freiberuflich tätigen Anti-Gewalt-Trainer die Jugendlichen je nach ihrem Bedarf für das Mikroprojekt aus. Die Trainer waren Männer mit handwerklichen und pädagogischen Ausbildungen, so dass sie in der Lage waren, mit den Jugendlichen wertschätzend und gleichzeitig konfrontativ umzugehen. Dabei boten sie den Teilnehmern ein anderes Modell männlichen Verhaltens, das auf positive Leistungen, Fairness, Kooperation und sinnvolle Gestaltung beruhte. Begleitet und betreut wurde die Gruppe allerdings von Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter.

Ergebnis

Bei den Treffen in der ersten Phase vom April bis zum Juni mangelte es den Jugendlichen anfänglich an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit: lange Wartezeiten, das Fernbleiben, das Aufsuchen im sozialen Nahraum der Jugendlichen und vorsichtige erste Kontaktversuche prägten die Zeit. Doch bei zwei Jugendlichen wurde bereits bei den ersten Freizeitangeboten ihr erkennbares Interesse an entsprechenden Angeboten und die Bereitschaft, dafür auch Verbindlichkeiten einzugehen, deutlich.

Obwohl Konflikte zwischen vorgesehenen Teilnehmern diese Phase der Gruppenfindung verzögerten, konnte gegen Ende des Förderzeitraums mit der Planung und der Umsetzung des Baus einer Sitzgelegenheit in der Danziger Straße ein erstes gemeinsames Ziel formuliert werden. Diesbezügliche Gespräche mit der Wohnungsbaugesellschaft HGB verliefen ebenso Erfolg versprechend wie die Gespräche mit dem Jugendamt, den Eltern und Lehrerinnen und Lehrern der Jugendlichen.

Bei den geplanten wöchentlichen Treffen mit der Gruppe und den beiden Fachkräften sollte über das Medium der gemeinsamen handwerklichen Verrichtungen und deren Planung und Organisation hinaus Gespräche über Probleme und dazugehörige Lösungsansätze angeregt, Ressourcen der Jugendlichen aufgedeckt und die Jugendlichen zu einem positiveren Selbstkonzept geführt werden. Das strategische Ziel blieb die Verringerung dissozialen Verhaltens und die Entwicklung prosozialer Verhaltensweisen in Familie, Schule und Peergroup.

Perspektivisch soll in der zweiten Jahreshälfte über gemeinsame Verhaltenscodes und deren Erarbeitung ein respektvoller Verhaltensstandard innerhalb der Gruppe aufgebaut werden.

Eine fünftägige Integrationsfahrt nach Lingen mit freizeitpädagogischen Anteilen am Ende der Sommerferien soll die bis dahin erlangte Gruppenkohäsion z.B. durch vertrauensbildende Übungen verstärken sowie als Planungsphase für weitere gemeinsame Aktionen dienen. Im Rahmen von Arbeitstrainings können hier noch weitere ermutigende Impulse in Richtung Vertrauen in die eigenen handwerklichen und organisatorischen Fähigkeiten gegeben werden.

Ansprechpartner(in)
Kerstin Knuth, Holger Schillack, Anika Pöpsel
Jugendarbeit Hamm Norden e.V.
Insterburger Str. 4
59065 Hamm
          
Mail: jugendarbeit-hamm-norden(at)web.de
Web: www.jugendarbeit-hamm-norden.de