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Aktionsplan

Lokaler Aktionsplan
Der Lokale Aktionsplan beschreibt Problemlagen, Ziele, Inhalte und Methoden der Arbeit im Hammer Norden im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds (EFS) der Europäischen Union geförderten Programms „Lokales Kapital für soziale Zwecke".  Der Europäische Sozialfonds ist der Beitrag zur Entwicklung der Beschäftigung durch Förderung der Beschäftigungsfähigkeit, des Unternehmensgeistes, der Anpassungsfähigkeit sowie der Chancengleichheit und der Investitionen in die Humanressourcen. Gleichzeitig werden mit ihm die Rollen und Aufgaben der Partner im „Lokalen Netzwerk“ deutlich gemacht. Er dient zur Orientierung der Lokalen Koordinierungsstelle und ist wesentlicher Bestandteil des Antrags auf Förderung. Im lokalen Aktionsplan wird auch auf die Verknüpfung zu anderen Strategien im Gebiet der „Sozialen Stadt" / „E & C" eingegangen.

Im Jahr 2003 wurde ein erster Lokaler Aktionsplan von der Lokalen Koordinierungsstelle in Abstimmung mit allen Akteuren im Stadtteil erstellt. Grundlagen der Problemanalysen sind bekannte sozialstrukturelle Daten des Sozialstrukturatlas, qualitative Erhebungen wie z.B. in Frauencafés und –frühstückstreffen, Befragungen im Bereich der Jugendarbeit, Rückmeldungen von Eltern mit Kindern in Tageseinrichtungen wie auch der städtische Armutsbericht.

In seiner jeweils geltenden Fassung bildet dieser Aktionsplan eine wichtige Grundlage für die Förderung von Mikroprojekten im Rahmen des Programms "Lokales Kapital für soziale Zwecke" im darauf folgenden Förderzeitraum (siehe Antragstellung). Die Mikroprojekte müssen sich auf die dargestellten Problemlagen und Ziele beziehen. Ausdrücklich erwünscht sind Projekte, die das beschriebene Handlungskonzept bzw. die erwähnten Projektideen konkretisieren.

Lokaler Aktionsplan 2003/2004

Problemlagen im Hammer Norden
Eines der ältesten Problemgebiete in Hamm ist der Stadtteil Norden. Hier finden sich Quartiere von gutbürgerlich intakten Einfamilienhäusern gleich neben ehemaligen Schlichtwohnungen, die als Obdachlosenunterkünfte genutzt wurden, und größeren Wohnsiedlungen des Sozialen Wohnungsbaus der sechziger und siebziger Jahre. Diese Quartiere verkamen aufgrund verschiedener Faktoren in den siebziger und achtziger Jahren zunehmend und entwickelten sich zu sozialen Brennpunkten.    

Auch wenn seit Beginn der neunziger Jahre durch das „Sozial- und bewohnerorientierte Stadtteilentwicklungsprojekt Hamm-Norden" bereits eine Vielzahl von Projekten erfolgreich umgesetzt werden konnte, so bleiben doch die Folgen spürbar und es bestehen nach wie vor erhebliche Defizite

  • in den sprachlichen, sozialen und sonstigen Kompetenzen vieler Bewohner, um am Arbeitsmarkt erfolgreich bestehen zu können.
  • in der Erziehungsfähigkeit der Eltern und deren Bildung.
  • hinsichtlich der Teilnahme an Bürgerbeteiligungsprozessen sowie bei der politischen Integration.
  • beim integrativen Stadtteilkulturangebot.
  • an integrierenden Ansätzen zwischen den Generationen und den Religionen.
  • beim Image des Stadtteils.

Entwicklungsziele:
Die drei wichtigsten Entwicklungsziele für das erste Förderjahr waren deshalb:

  • die Verbesserung der individuellen Kompetenzen zur sozialen, beruflichen und politischen Integration,
  • die Verbesserung der Erziehungskompetenzen für benachteiligte Familien und
  • die Gestaltung von Räumen und Orten im Stadtteil zum Erwerb berufsbezogener Kompetenzen.

Gleichzeitig sollte eines sozial integrierendes und den Stadtteil belebendes Kulturangebot geschaffen, ein statteilbezogenes Selbstbewusstsein sowie das Image des Hammer Nordens in der Gesamtstadt verbessert, Partizipationsansätze unter Berücksichtigung traditioneller politischer Institutionen weiterentwickelt sowie die Kommunikation zwischen Alt und Jung und zwischen den im Stadtteil vertretenen Religionen angeregt werden.

Handlungskonzept:
Der Schwerpunkt der Stadtteilarbeit sind Mikroprojekte zur Integration in den Arbeitsmarkt, präventive Kinder- und Jugendarbeit, Bewohneraktivierung und die Entwicklung eines Stadtteilkulturkonzeptes. Das Programm "Lokale Kapital für soziale Zwecke" soll Gruppen und Initiativen stärker unterstützen und einbinden. Das Handlungskonzept besteht aus mehreren Schritten:

  1. Durch einen Ratsbeschluss wird die politische Legitimation hergestellt.
  2. Der Vorbereitungskreis erstellt einen Projektaufruf mit den Zielen des Aktionsplans und den Beteiligungsmöglichkeiten. Bei seiner Präsentation in den Arbeitsgremien der Stadtteilarbeit (Arbeitskreis Hamm-Norden, Präventivkreis Hamm-Norden, Arbeitsgemeinschaft Nordener Vereine) werden diesen die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten, die sich aus den Mirkoprojekttypen des Programms "Lokales Kapital für soziale Zwecke" ergeben, vermittelt.
  3. Ein Aufruf der Mirkoprojekte erfolgt am Tag der Offenen Tür im Stadtteilzentrum; darüber hinaus bewirbt die Koordinationsrunde gezielt die Veranstaltergemeinschaft für das Stadtteilfest.
  4. Zusätzlich werden die Zielgruppen des Programms, also besonders die wenig organisierten Basisinitiativen im Stadtteil wie der Mieterbeirat Schottschleife, die AG am Schüttort, die Selbstorganisation der im Norden lebenden Sinti, das Containerprojekt als Jugendselbstorganisation u.a. gezielt zur Mitarbeit im Begleitausschuss, dem Komitee "Lokales Kapital für soziale Zwecke" in Hamm-Norden, angesprochen. Mit der Gründung dieses Komitees beginnen die Vergabe der Projektmittel und die Begleitung der Mikroprojekte bei der Umsetzung.
  5. Die Evaluation der Mikroprojekte wird in das z.Zt. in Entwicklung befindliche Stadtteilcontrolling eingebunden.
  6. Allen Mikroprojektträgern werden Schulungskurse über Ehrenamt und Selbstorganisation in der Jugendarbeit als Begleitung angeboten.

Fortschreibung Lokaler Aktionsplan 2004/2005

Problemlagen:
Auf der einen Seite machen sich auch im Hammer Norden bundespolitische und gesamtgesellschaftliche Trends bemerkbar: Es hapert am wirtschaftlichen Aufschwung. Aufgrund der aktuellen Reform zur Arbeitsmarktpolitik (Hartz IV) machen sich Verunsicherung der Mitarbeiter, Zerschlagung gewachsener Strukturen auf der Trägerebene und Reibungen zwischen den Kooperationspartnern bemerkbar.

Entwicklungsziele:
Die drei wichtigsten Entwicklungsziele für das zweite Förderjahr sind deshalb:

  • tärkere Einbeziehung der lokalen Wirtschaft zur Förderung der lokalen wirtschaftlichen Strukturen mit dem Ziel, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern und zu schaffen,
  • Entwicklung von Seminaren und flexiblen Unterstützungsformen für Existenzgründer und
  • Verbesserung der individuellen Kompetenzen zur sozialen, beruflichen und politischen Integration.

Darüber hinaus werden die drei Schwerpunktziele aus dem ersten Förderabschnitt sowie die Implizierung eines sozial integrierendes und den Stadtteil belebendes Kulturangebot weiterverfolgt.

Handlungskonzept:
Für das zweite Förderjahr wird angestrebt, insbesondere individuelle Kompetenzen zur sozialen, beruflichen und politischen Integration zu verbessern. Dadurch sollen sich den Zielgruppen neue Perspektiven auf den Arbeitsmarkt eröffnen.

Bei der Gestaltung von Räumen und Orten im Stadtteil bietet sich für die Teilnehmer der Qualifizierungsmaßnahmen die Möglichkeit, berufsbezogene Kompetenzen erwerben, die den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern.

Die Verbesserung der Erziehungskompetenzen für benachteiligte Familien ist fortzuführen.

Weitere wichtige Schritte zur Umsetzung der Entwicklungsziele für den nächsten Förderzeitraum sind:

  1. eine Befragung der Handels- und Gewerbebetriebe im Stadtteil,
  2. die Weiterentwicklung von Hilfen im Vorfeld und bei der Existenzgründung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung,
  3. die Ausformulierung und Umsetzung eines Stadtteilkulturkonzeptes,
  4. die Intensivierung des Erfahrungsaustausches zwischen den Mikroprojekten im lokalen Komitee "Lokales Kapital für soziale Zwecke" in Hamm-Norden sowie
  5. die Entwicklung neuer Mikroprojektideen in den Schwerpunktbereichen Case-Management, Elternbildung und Verbesserung von Beratungskompetenzen.

Fortschreibung des Lokalen Aktionsplans 2005/2006

Problemlagen:
Wie in anderen Kommunen wirken sich im Hammer Norden die landesweit unter der Überschrift "Hartz IV" eingeführten Arbeitsmarkt-Reformen gravierend aus. Zielgruppen des "Lokales Kapitals für soziale Zwecke" in Hamm-Norden, Projektträger sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gleichermaßen verunsichert. Die ehemaligen Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfänger werden fortan durch das Kommunale JobCenter betreut. Für eine Reihe von geplanten Mikroprojekten ergibt sich in der Übergangszeit das Problem, Zugang zu den Zielgruppen zu bekommen. Die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst sind wegen der politischen Diskussionen sehr im Ungewissen.

Unbeantwortet bleibt zunächst die Frage, wie sich die zukünftigen Maßnahmen mit dem "Lokalen Kapital für soziale Zwecke" vereinbaren lassen, und ob ALG-II-Empfänger unter 25 Jahren als eine der wichtigen Zielgruppen für die Nordener Mikroprojekte überhaupt noch zur Verfügung stehen. Die anfängliche Unsicherheit weicht der Zuversicht, dass sich durch die veränderten Rahmenbedingungen neue Chancen für Mikroprojekte ergeben.

Bis dahin noch wenig unberücksichtigt war die Zielgruppe der Sinti-Frauen. Ein erster Projektansatz war aufgrund der besonderen Situation innerhalb der Gruppe mit ihren spezifischen Tabus und dem kulturellen Selbstverständnis gescheitert.

Entwicklungsziele:
Es gelten weiterhin die bisherigen Entwicklungsziele, die aber einige Spezifizierungen erfahren:
Vorrangiges Ziel bleibt die Stärkung der lokalen Wirtschaft mit dem Ziel, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu erhalten bzw. neue zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen JobCenter sollen auf die Lebenswelt hin orientierte Projekte im Rahmen gemeinnütziger Arbeit für Empfängerinnen und Empfänger von ALG-II entwickelt werden. Ziel ist es dabei, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich zu qualifizieren und zur Stellensuche zu motivieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Zielgruppe der Schulabgängerinnen und Schulagänger mit einer negativen beruflichen Prognose. Neben Projekten mit den Schülerinnen und Schülern der achten bis zehnten Klasse sollen besonders auch Mikroprojekte für deren Eltern entwickelt werden, damit diese ihre Kinder in der Phase der Berufsfindung stärker unterstützen können. In Kooperation mit der Seniorenarbeit ist außerdem geplant, generationsübergreifende Aspekte einzubringen und zu nutzen.

Stärker als zuvor sollen auch Mikroprojekte für Berufsrückkehrerinnen und Berufseinsteigerinnen insbesondere für Sintifrauen entwickelt werden, da sie durch die bisherigen Strukturen besonders benachteiligt sind.

Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung des Images von Maßnahmeteilnehmerinnen und Maßnahmeteilnehern bei Betrieben.

Handlungskonzept:

Für eine Fortführung der Arbeit ist eine Abstimmung zwischen dem Kommunalen JobCenter und den Akteuren im Stadtteil bezüglich einer ergänzenden Förderung der ALG-II-Empfänger durch Mikroprojekte im Rahmen des Programms "Lokales Kapital für soziale Zwecke" dringend erforderlich. Gleichzeitig wird der Arbeitskreis unter Einbeziehung relevanter Akteure mögliche Zielgruppen für diese Mikroprojekte prüfen und entsprechende Mikroprojekte in Verantwortung einzelner Träger anstoßen. Besonders in den Mittelpunkt rücken etwa Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Klassen mit einer negativen Berufsprognose und Berufsrückkehrerinnen bzw. –einsteigerinnen. Zudem sollen sinnvolle Verknüpfungen mit der Seniorenarbeit entwickelt werden.

Durch eine stärkere Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft sollen Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert und neu gewonnen werden.

Fortschreibung des Lokalen Aktionsplans 2006/2007

Problemlagen:
Die Analysen des kommunalen Jobcenters zeigen für Hamm, dass etwa jeder dritte ALG-II-Empfänger  und -Empfängerinnen zwischen 18 und 25 Jahren mit erheblichen individuellen Defiziten belastet und daher weder vermittel- noch beschäftigbar sind. Entsprechend zeichnen sich im Hammer Norden als besondere Zielgruppen, die im Rahmen stadtteilorientierter Strategien betreut werden sollten, die der jungen Sinti und der jugendlichen Zuwanderer und Zuwanderinnen aus Russland ab. Bei der Gruppe der Sinti ergibt sich Handlungsbedarf für die 18 bis 25-Jährigen. Zwar ist deren Schulbildung besser als die ihrer Eltern, trotzdem sind sie vom Arbeitsmarkt weit entfernt. Durch ihre Betreuung durch das Kommunale JobCenter könnten sich neue Projekte ergeben.

Verstärkt in den Fokus gerückt ist das Handlungsfeld "Übergang Schule-Beruf". Neben den schwer lösbaren individuellen Problematiken der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen kommt die Besonderheit hinzu, dass in der Hauptschule des Stadtteils speziell schulmüde Schülerinnen und Schüler in gesonderten Arbeitsformen betreut werden. Erschwerend wirkt sich aus, dass im Vergleich zu den umliegenden Regionen überproportional viele Lehrstellen fehlen.

Weitere Zielgruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf sind die der allein erziehenden Frauen sowie der Mütter mit Migrationshintergrund und komplexen Zugangschwierigkeiten zum Arbeitsmarkt.

Entwicklungsziele:
Die wichtigsten Entwicklungsziele für das vierte Förderjahr sind deshalb:

  • Stärkung der lokalen Wirtschaft mit dem Ziel, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern und zu schaffen,
  • Entwicklung lebensweltorientierter Projekte im Rahmen gemeinnütziger Arbeit unter Gender-Aspekten und
  • Verbesserung der Angebote für Schülerinnen und Schüler mit einer negativen Prognose sowie für deren Eltern.

Darüber hinaus ist vorgesehen, den Schwerpunkt der kulturellen Aktivitäten mit Ausrichtung auf ein Marketing des Stadtteils und der Mirkoprojekte sowie auf die Nutzung kultureller Aktivitäten für die Qualifizierung im Rahmen des Stadtteil-Kulturkonzeptes weiterzuentwickeln. Dazu ist geplant, das europäische Jahr der Arbeitskräftemobilität aufzugreifen und Aspekte der Mobilitätsförderung in möglichst viele Mikroprojekte zu integrieren.

Handlungskonzept:
Zur besseren Umsetzung der Entwicklungsziele wird frühzeitiger als in den Vorjahren eine Gesamtplanung für den kompletten Förderzeitraum erstellt. Bei einem Treffen aller Träger, die Mikroprojekte zur Realisierung im kommenden Förderzeitraum angemeldet haben, soll eine gemeinsame Planung unter Berücksichtigung möglicher Synergien und sinnvoller Kooperationen erstellt werden.

Beim Aufbau des Stadtteilcontrollings bieten die Evaluationsdaten der Mikroprojekte einen wichtigen Baustein, um projektbezogene Ergebnisse und Wirkungen darzustellen. So fließen die genderbezogenen allgemeinen Fakten sowie Mikroprojektevaluationsdaten in die Projektplanung mit ein.

In Kooperation mit dem Jobcenter ist für den Sommer geplant, eine aktuelle stadtteilorientierte arbeitsmarktpolitische Strategie zu erarbeiten.

Nachdem die Strukturen völlig neu aufgebaut wurden und sich zunächst auf gesamtstädtische Strategien fokussierten, sollen jetzt die sozialraumorientierten Aspekte verstärkt in das zu aktualisierende Stadtteilkonzept eingebracht werden.

Im Rahmen des Marketings von Stadtteil und Mirkoprojekten ist geplant, mit einer Revue „Lokales Kapital für soziale Zwecke" ein kulturelles Highlight unter Einbeziehung von Beiträgen möglichst vieler Träger und gleichzeitig einen Erlebnishöhepunkt für alle Akteure, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu schaffen.

Die Öffentlichkeitsarbeit wird mit einer Stadtteilzeitung ergänzt werden, um die gesamten Stadtteilaktivitäten besser bekannt zu machen.

Im Rahmen der politischen Berichterstattung und Dokumentation soll die Frage nach Möglichkeiten eines kommunalen Weiterführens von Stadtteilbudgets und Stadtteilvergabegremien thematisiert werden.

Fortschreibung des Lokalen Aktionsplans 2007/2008:

Problemlagen:
Es ist davon auszugehen, dass sich die anhaltende Verschlechterung der Situation am Hammer Ausstellungsmarkt weiterhin negativ auf die Chancen und Motivation junger Menschen auswirkt. Die neuesten Zahlen eines Monitorings vom Kommunalen JobCenter zeigen, dass mehr als neun von zehn der 18- bis 24-jährigen ALG-2-Bezieherinnen und -Bezieher ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind. Davon sind mehr als die Hälfte weiblich.

Ursachen dafür sind außer in der mangelhaften Ausbildungsmarktlage besonders in den individuellen subjektiven Defiziten und Integrationshemmnissen zu sehen. Ein Profiling des JobCenters etwa ergab, dass jeder Zweite dieser Zielgruppe als nur mit erheblichen Unterstützungsaufwand oder gar nicht vermittelbar einzustufen sei. Auch das mit der auslaufenden Förderung erfolgte Ende eines Integrationsprojektes für Spätaussiedler wird nicht ohne negative Folgen für das Umfeld sein, schließlich wurde in den letzten Jahren hier durch Integrationslotsen und durch Angebote für Jugendliche eine stabilisierende und motivierende Arbeit geleistet.

Immer wieder stellen einigen Träger einen positiver Wandel im geschlechtsbezogene Rolleverhalte junger Frauen fest. Demnach werden diese zunehmend als fitter und engagierter als ihre männlichen Altersgenossen wahrgenommen.
Die positive Veränderung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland ist im Stadtteil noch nicht wahrnehmbar, weder bei den lokalen Unternehmen noch bei den jungen Menschen im Sinne von mehr Hoffnung und Motivation noch im Sinne einer „Motivation zur Motivierung“.

Als neue Zielgruppe sind Förderschüler hinzugekommen, die durch problematisches Verhalten im Sozialraum auffielen und mit denen in einem neuen Projekt gearbeitet wird.

Initiiert von der Kommune wurde ein neues Projekt, das die Bildung besonders der jungen Menschen übergreifend verbessern will, die familiären Defizite im Hinblick auf eine optimale häusliche Begleitung des Bildungsprozesses aufweisen. Dieser Aspekt wird in der gesamten Bildungsdiskussion unterbewertet; er ist gerade bei den Familien in schwierigen Lebenslagen von exponential steigender Bedeutung. Auch durch dieses Projekt wird diese Zielgruppe verstärkt wahrgenommen.

Entwicklungsziele:
Die wichtigsten Entwicklungsziele für das fünfte Förderjahr sind deshalb:

  • Verstärkung präventiven Ausrichtung der Arbeit durch Mikroprojekte im Übergang von Schule zu Beruf,
  • Verstärkung der Erziehungsfähigkeit von Eltern in Verbindung mit beruflicher Orientierung und
  • Verstärkung der Bereitschaft und Fähigkeit zur beruflichen Mobilität.

Oberste Priorität hat die präventive Ausrichtung im Übergangsmanagement mit Schülerinnen und Schülern ab Klasse 7 bzw. 14 Jahren unter stärkerer Einbeziehung der Eltern (mehr Väter) mit mehr Schulen im Radius des Nordens behalten. Die guten Erfahrungen der letzten Förderperioden werden verstärkt zu Mehrziel- und Mehrfachzielgruppenprojekten führen: Schüler, insbesondere Schülerinnen und Eltern, Jung und Alt unter Einbeziehung von Mentorenansätzen, Mobilitätstraining in Kombination mit Förderung von Schlüsselkompetenzen, Schlüsselkompetenzen mit kulturellen Methoden usw.

Die Anforderungen an die Gestaltung der Mikroprojekte und die zentralen Inhalte sollen sich noch stärker aus den formulierten Problemlagen und Anforderungen aus Wirtschaft und Profiling des JobCenters ergeben. Hierzu sollen neue Ansätze der Kooperation mit der Wirtschaft gesucht werden.

Das Ziel „Arbeitskräftemobilität“ soll stringent weiter verfolgt werden; hierin zeigt sich einer der Auswege aus der Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation in Hamm. Auch hier sind im Rahmen einer gesamtkommunalen Strategie wichtige, typische Mikroprojekte sinnvoll. Bei den besonderen Zielgruppen sollen weiter die Sinti und stärker die Spätaussiedlerinnen und –siedler im Vordergrund stehen. Bei der Zielgruppe der ALG2-Bezieherinnen und –Bezieher sollen Sprachkompetenz und Alphabetisierung gefördert werden. Weiterhin sollen Mikroprojekte im Bereich handwerklicher Orientierung und Qualifizierung mit den genannten prioritären Zielgruppen unter stärkerer Einbeziehung älterer Arbeitsloser und Väter zum Nutzen des Stadtteils etwa bei der Gestaltung Bahnunterführung oder bei der Belebung einer Stadtteilwerkstatt realisiert werden.
Insbesondere mit den Mikroprojekten zur Förderung der berufsbezogenen Mobilität wurden neue Wege gebahnt die neue Chancen aufzeigen. Auch wenn noch nicht unmittelbar Vermittlungsergebnisse zu verzeichnen sind, so ist dieser Weg in Kombination mit der gesamtstädtischen Strategie zu bedenken, dass im Kommunalen JobCenter sehr gute Integrationsergebnisse zu verzeichnen sind. Insgesamt ist vermehrt an Motivationen, Schlüsselkompetenzen und Integrationshemmnisse zu arbeiten, damit die Chancen des kommenden Wirtschaftsaufschwunges genutzt werden können.

Handlungskonzept:
Es hat sich im vierten Förderzeitraum bewährt, vorzeitig strategisch zu planen und Mikroprojekte zu entwickeln mit dem Ergebnis, dass die Fördermittel nahezu vollständig und sinnvoll ausgeschöpft werden konnten. Es ist vorgesehen, in einer Planungswerkstatt unter Beteiligung der in Frage kommenden Träger die verschiedenen Mirkoprojekte gemeinsam aufzubauen.
Ein wichtiger Schritt wird die Planung und Koordinierung von Aktivitäten zur Koordination von Schule und Wirtschaft sein, da dies eine zentrale Schnittstelle zur Ableitung, Planung und Durchführung von Mirkoprojekten sein wird.

Ansonsten besteht eine gute Arbeits- und Vernetzungsstruktur, die immer wieder auch kurzfristig für Reflexion, Erarbeitung neuer Impulse und Problemerklärung zu nutzen ist.

Ein weiterer Schritt wird darin bestehen, die Träger im Projektmanagement zu qualifizieren. Die bisherigen Bemühungen in direkter Beratung und Beteiligung sind noch unbefriedigend und führen oft zu mehrmaligen und einzelfallorientierten Nachbesserungsgesprächen in den Bereichen „Konzeptformulierung“, „Gender“, „Projektevaluation“. Die Energien vieler Fachkräfte richten sich noch immer sehr stark auf „Projektdurchführung“ aus.

Eine wichtige Schnittstelle wird zu den zwei zentralen städtischen Projekten „Elternschule Hamm“ und „Hamm: Plan Bildung“ verbessert eingerichtet werden. Hier ergeben sich wichtige Impulse und Kooperationschancen.

Mittlerweile hat die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit im Hammer Norden mit Presseberichterstattungen, die Internetseiten und der Etablierung der neuen Stadtteilzeitung „Nordwind“ positiv zur Bekanntheit der Stadtteilaktivitäten beigetragen. Dies könnte auch durch eine stärkere Einbeziehung des NRW-Bürgerradios noch weiter optimiert werden.
Die Betreuung von Mirkoprojekten durch das Komitee soll verbessert werden.